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Arthur Abraham – Knockout

Bekannt geworden durch seinen „Blutkampf“ gegen Edison Miranda, kämpft der ehemalige Weltmeister derzeit um sein Comeback, seine Reputation, und die Chance eines erneuten WM-Kampfes. Von ganz unten nach ganz oben und wieder zurück. Ähnlich seines sportlichen Vorbildes Mike Tyson, hat Arthur Abraham alle Höhen und Tiefen einer Boxerkarriere durchlebt. Wie der dreimalige Boxer des Jahres seine Chancen sieht wieder ganz oben auf dem Thron zu sitzen, erzählte er MF im Interview.

Interview geführt im Mai 2012

Gratulation zum Comeback- Sieg gegen Pablos Farias. Nach achtmonatiger Ringpause und den Niederlagen zuvor, wie groß ist die erste Erleichterung?
Der Kampf war ein Neuanfang, ein erster Schritt. Ich habe mir für das Jahr 2012 wirklich eine Menge vorgenommen. Der Sieg gegen Farias war ein erster Schritt. Jetzt steht am 31. März (Interview wurde Anfang März geführt; Red.) in Kiel der Kampf gegen Ex-Europameister Piotr Wilczewski an. Das wird sicherlich schwerer. Ich unterschätze ihn nicht – aber ich überschätze ihn auch nicht.

War die Teilnahme beim Super- Six-Turnier (Turnier der besten Super-Mittelgewichtler der Welt; Red.) im Nachhinein ein Fehler?
Ich denke, das Super-Six-Turnier war eine wichtige Erfahrung für mich. Natürlich hatte ich mir größere Chancen ausgerechnet und zunächst lief es ja auch mit dem Sieg gegen Jermain Taylor gut für mich. Doch dann wendete sich das Blatt. Ich habe inzwischen meine Lehren daraus gezogen und die nicht so guten Kämpfe abgehakt. Ich blicke nicht weiter zurück. Ich konzentriere mich auf die Zukunft. Und in der will ich wieder Weltmeister werden – wenn es geht noch in diesem Jahr.

Wie schwer war es, sich nach den Niederlagen, u.a. gegen Carl Froch und Andre Ward, neu zu motivieren und mit dem notwendigen Selbstvertrauen in den Ring zurückzukehren?
Wissen Sie, das ist wirklich überhaupt kein Problem. Wenn man einmal so erfolgreich wie ich war, dann weiß man, wie sich das Siegen oder Erfolge anfühlen. Solche Erlebnisse, die Anerkennung der Zuschauer, der Jubel und die Erinnerungen an diese tollen Zeiten sorgen dafür, dass ich wieder ganz nach oben will. Ich habe großartige Fans, die ich mit einem erneuten Gewinn des WM-Titels belohnen will.

Wie viel Anteil hatte Ihr Trainer Ulli Wegner daran, Ihnen die richtige mentale Einstellung zu vermitteln?
Herr Wegner ist ein großartiger Trainer. Natürlich übt er oft Kritik, doch auf der anderen Seite sagt er auch seine Meinung. Er ist daher ein ganz wichtiger Ratgeber.

Wie hoch ist der Einfluss des Trainers während eines Kampfes?
Natürlich ist der Trainer enorm wichtig. Doch ich bin derjenige, der seine Leistung im Ring abrufen muss. Herr Wegner und ich, wir sind ein gutes Gespann. Herr Wegner hat schon einige Weltmeister herausgebracht. Ich denke, seine Fähigkeiten sollte man daher auch nicht in Frage stellen.

Unvergessen ist Ihr Fight gegen Edison Miranda 2006 in Wetzlar. Sie haben den Kampf für sich entschieden, nachdem Sie acht Runden mit einem doppelten Kieferbruch durchstehen mussten. Aus heutiger Sicht – immer noch Ihr härtester Kampf?
Ja, auf alle Fälle. Diesen Kampf werde ich nie vergessen. Und ich habe diesem Kampf auch viel zu verdanken. Er hat mich quasi von einem Tag auf den anderen berühmt gemacht.

Sie haben 27 Ihrer 33 Profikämpfe „by the way of Knockout“ gewonnen. Sind Sie mit sich selbst unzufrieden, wenn Sie „nur“ nach Punkten gewinnen?
Wer mich kennt, der weiß, dass ich keinen Gegner unterschätze. Die Strategie ist immer auf einen Punktsieg ausgelegt. Sonst würde man sich selbst nur zu sehr unter Druck setzen und verkrampfen. Wenn dann ein K.o. möglich ist, versuche ich die Chance natürlich zu nutzen. Ich spüre, wenn der Zeitpunkt kommt. Und dann geht es los.

Woran müssen Sie aus Ihrer Sicht noch arbeiten um Ihren Kampfstil zu optimieren?
Ich glaube, ich darf einfach nicht so passiv sein. Gerade im Super-Mittelgewicht sind die Gegner oft größer als ich. Da muss ich aktiver werden.

Wie hoch sind die Chancen, Sie noch im Jahr 2012 in einem WMKampf zu sehen?
Die sind groß. Ich bin derzeit WBOWeltranglistenzweiter. Wenn ich meinen Kampf in Kiel gewinne, dann könnte schon ein WM-Kampf winken. Darauf hoffe ich jedenfalls. Doch erst einmal muss ich den Kampf 31. März in Kiel gewinnen.

WBO-Weltmeister Robert Stieglitz wäre eine Option? Gibt es schon mögliche Gegner?
Ein Kampf gegen Robert Stieglitz wäre großartig. Das wäre quasi ein deutschdeutsches Duell. Diesen Kampf wollen die Fans in Deutschland sicherlich sehen.

Abschließende Frage: Wer ist Ihr absoluter Wunschgegner in Ihrer Klasse – sollte der Beste sein, denke ich?
Ich finde, so kann man das nicht sehen. Natürlich will ich gegen die Besten boxen. Auf der anderen Seite muss sich auch die Möglichkeit dazu ergeben. Für mich ist der beste Gegner derjenige, der mir die Chance gibt, um den WM-Titel zu kämpfen. Und wie gesagt, das könnte aus meiner Sicht sehr gut Robert Stieglitz sein. Da er auch bei einem deutschen Team unter Vertrag steht, ist da die Wahrscheinlichkeit aus meiner Sicht derzeit am höchsten.