Seit mittlerweile 10 Ausgaben und fast sieben Jahren gibt es sie nun, die German MMA Championship, Deutschlands führende Käfigkampf- Serie. Das Jahr 2017 wurde mit dem historischen Jubiläums-Event in Hamburg eingeläutet – und GMC 11 steht bereits vor der Tür.

Text Mark Bergmann Fotos Pervin Inan-Serttas

Hamburg war schon immer Deutschlands große Box-Metropole. Vom kleinen Milieu-Boxer bis hin zu den Klitschkos wurden hier viele Faustkämpfer bejubelt. Denn egal ob Luden auf dem Kiez, Arbeiter im Hafen oder Dirnen vor den schmuddelig-schönen Eckkneipen – auf der rauen Seite der mondänen Nordmetropole haben sie was übrig für Jungs, die ordentlich zulangen können. Im vergangenen Jahr wagte sich deshalb erstmals die weltgrößte MMA-Liga Ultimate Fighting Championship in das Box-Mekka an der Alster.Der Event wurde zum Riesenerfolg, toppte die vorherigen Deutschland-Shows in Köln, Oberhausen und Berlin um Längen. Am 7. Januar zog Deutschlands führende Käfig-Liga German MMA Championship deshalb nach. Eigentlich ein Ruhrpott-Original, wollte GMC zum großen Jubiläum erstmals raus aus Nordrhein-Westfalen, expandieren, neue Fans gewinnen. Nach dem Erfolg der UFC fiel die Wahl schnell auf die Hansestadt und so wurde im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg im Januar Geschichte geschrieben, mit dem zehnten GMC-Event, einem neuen Champion im Halbschwergewicht und dem Abschied eines deutschen MMA-Urgesteins.

„KING KONG“ VS. „BIG DADDY“ Im großen Hauptkampf des Abends bekam Schwergewichtschampion Andreas Kraniotakes (in blauer Shorts, Foto oben) die historische Chance, sich den GMC-Titel in einer zweiten Gewichtsklasse zu sichern. Im Halbschwergewicht traf er auf den Düsseldorfer Haudegen Martin „King Kong“ Zawada, der, ebenso wie Kraniotakes, einer der  Wegbereiter der deutschen MMA-Szene war. Zawada hatte in den vergangenen 13 Jahren bereits in ganz Europa gekämpft und Titel geholt – nur in  Deutschland gewann er noch nie Gold. Bis jetzt. In zwei Runden zerlegte Zawada den deutlich größeren Kraniotakes mit harten Treffern und durfte sich anschließend den bis dato vakanten GMC-Titel der 93-Kilo-Klasse umschnallen. Kraniotakes erklärte im Anschluss hängenden Hauptes, er habe seine Leistung nicht abrufenkönnen, und deutete seinen Rücktritt an. „Ich muss darüber nachdenken, ob ich die Handschuhe an den Nagel hänge“, so „Big Daddy“ im Interview nach dem Kampf. „Es gibt genügend Kämpfer, die Großes geleistet und den Absprung verpasst haben; die zurückgetreten sind, als sie ihre besten Tage schon hinter sich hatten, auf der Suche nach altem Ruhm. Zu denen möchte ich nicht gehören.“ Kraniotakes kämpft seit 2005, bestritt in seiner Karriere 30 Kämpfe (18 Siege, ein Unentschieden) und stand gegen drei ehemalige UFC-Champions im Käfig. Sollte er tatsächlich abtreten, er könnte es guten Gewissens tun. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: „Wenn man seinem Herzen folgt, dann kann man sich nicht verlaufen.“

Während sich im Hauptkampf von GMC 10 ein Vertreter der alten Garde in den Ruhestand verabschiedete, kehrte im Co-Hauptkampf einer der zukünftigen deutschen Stars in die Erfolgsspur zurück: der „Sibirische Tiger“ Anatolij Baal. Der 24-jährige Böblinger konnte in den ersten beiden Jahren seiner Karriere sieben Siege in Folge verbuchen und ließ manchen erfahrenen Veteranen dabei äußerst alt aussehen. Als er bei GMC 9 im November jedoch erstmals im Leichtgewicht bis 70 Kilo, statt der üblichen 77 Kilo, gegen den Kickbox-Champion Leo Zulic antrat, musste Baal die erste Niederlage seiner noch jungen Karriere einstecken. Daraus hat er gelernt. Im sogenannten Catchweight – einer Art Zwischengewicht bis 75 Kilo – ging es gegen Lokalmatador Alexander Vogt, den Baal im zweiten Durchgang nach einer knackigen Rechten mit einem Guillotine Choke zur Aufgabe brachte. Dabei wirkte der Schützling von UFC-Coach Yasin Mengüllüoglu (siehe Interview mit Yasin in MEN’S FITNESS 12/2016, d. Red.) dominant wie eh und je – und das nur gut sechs Wochen nach seiner ersten Karriere- Niederlage. Baal will so schnell es geht die Spitze der deutschen Leichtgewichtsklasse erklimmen, aktuell belegt er Rang neun. Gut möglich also, dass seine Fans ihn schon im Frühjahr erneut bei GMC im Käfiig sehen werden.

GMC KEHRT IM APRIL IN DEN RUHRPOTT ZURÜCK

Ganze sechs Events möchten die Macher von GMC in diesem Jahr auf die Beine stellen, so dass am 22. April bereits GMC 11 ansteht. Dann wieder daheim im Ruhrpott, in der gewohnten Umgebung der Europahalle Castrop-Rauxel – und dann wohl auch wieder mit einigen bekannten GMC-Champions. Die Titelträger im Feder-, Leicht- und Weltergewicht – Lom-Ali Eskijew, Mohamed Grabinski und Kerim Engizek – saßen allesamt bei GMC 10 in der ersten Reihe und konnten es kaum abwarten, wieder selbst in den Käfi g zu steigen. Eskijew lieferte bei GMC 9 im Superfight gegen Bantamgewichts-Champion Saba Bolaghi den Kampf des Jahres 2016 ab, ein Einsatz von ihm gilt für GMC 11 als wahrscheinlich. Grabinski holte am selben Abend den vakanten Gürtel bis 70 Kilo und würde ihn gern in einem Rückkampf gegen den Schweden Martin Svensson erstmals aufs Spiel setzen, der ihn bei der UFC-Reality-Show The Ultimate Fighter vor zwei Jahren mit einem knappen Punktentscheid aus dem Turnier warf. Svensson trat wenig später jedoch zurück, so dass der Weg nun frei wäre für ein anderes hochkarätiges Duell. Und Engizek gehört zu den spannendsten  Weltergewichten Deutschlands, ist ein hervorragender Boxer, der zuletzt den gefährlichen Polen Pawel Zelazowski im Kampf um das vakante Gold gestoppt hat. Man darf sich also auch 2017 und nach zehn GMC-Events weiterhin auf hochklassige Duelle freuen. In diesem Sinne: Auf die nächsten zehn!

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