Dave Bautista – Ein ganz anderes “Tier”

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Spectre-Star Dave Bautista hat in der Sportunterhaltung und dem Kampfsport Erfolge gefeiert. Jetzt will er Hollywoods Typisierung auf die Matte zwingen.

1. Die Chance eines Schlägers

Nach seinem Ausstieg bei der WWE (unten) ging Bautista zu MMA – und trainiert immer noch Muay Thai für seine Fitness.

 

 

Hamlet mit 1,93m und 120Kg?

BEI 1,93 m uND 120 kG SchEINT DAvE BAuTISTA

eine ungewöhnliche Wahl, um Hamlet zu spielen. Die Fülle an Tattoos auf seinem Scheunentorbreiten Rücken und die Straßenkarte an Venen in Schultern und Armen deuten auf einen Kerl hin, der mehr als vier Scheiben auf der Bank drückt, Weltmeistertitel in der WWE gewinnt und einen Gegner in einem Kampfsport-Käfig KO schlagen kann. Und natürlich hat Bautista all das schon gemacht.

Aber wenn Sie glauben, dass derMann, der in der Sportunterhaltung als „the Animal” bekannt ist, nicht auf jemanden einprügeln und Sie dann mit einem Sonnet unterhalten kann, dann unterschätzen Sie Bautista. Tun Sie das nie wieder. Der Bösewicht aus dem neuen James Bond Film Spectre hat jetzt Ruhm als Filmstar im Visier und eine Bühnenproduktion von Shakespeare auf seiner Wunschliste.

2. Ein ungewöhnlicher Darsteller

Es ist besonders faszinierend, an Bautistas langfristigen Ambitionen im Gegensatz zu seiner besch eidenen Kindheit zu denken, die so weit entfernt war von Hemdblusen, Rüschen und abgehobenem, britischem Englisch, wie man sich nur vorstellen kann. Aufgewachsen in einem rauen Viertel von Washington, D. C., suchte Bautista Schutz im Gewichtstraining. Er baute bis auf 168 kg auf und arbeitete als Türsteher, bis er sich im Alter von 30 Jahren entschied, es in der Sportunterhaltung zu versuchen. Trotz einer erfolgreichen Karriere in der WWE war Bautista unglücklich mit der Richtung, in die das Geschäft ging (weg von der „Attitude Era” hin zu einem familienfreundlicheren Produkt) und ging 2010, um Schauspielerzu werden.

“Ich kämpftE EInIgE JahrE, wEIl Ich Das wrEstlIng nIcht aufgEgEbEn hattE, um auf DEn bIllIgEn actIon-kErl fEstgElEgt zu wErDEn.”

„Ich arbeitete an einem Film für einen Freund”, sagt er, „und erkannte, was für ein schrecklicher Schauspieler ich war.” Der Film, Wrong Side of Town, wurde von einem von Bautistas Freunden produziert, der dachte, er hätte das Aussehen, den Charakter eines harten Navy SEALS herüberzubringen. „Es war mir so peinlich, aber ich wollte es wieder versuchen und dieses Mal besser machen.”

Er engagierte einen Coach und ging nach Hollywood, begierig, sich eine Vollzeit­Filmkarriere aufzubauen. „Ich hatte viele Probleme, als ich mit der Schauspielerei anfing, weil ich sehr verlegen und von Natur aus schüchtern bin. Aber mein Coach sagte: ,Wenn du Shakespeare spielen kannst, schaffst du alles’, also lasen wir Szenen aus Maß für Maß und Der Widerspenstigen Zähmung. Die Darstellung auf der Bühne selbst macht mir Angst und Shakespeares Dialoge sind so schwie rig. Für mich wäre es die ultimative Herausforderung, das auf der Bühne zu machen.” Eine weitere Herausforderung, neben der Schüchternheit, war natürlich, dass er den Körper eines mythischen Kriegers hat, was ihn nicht automatisch für ShakespeareRollen oder etwas anderes als Kerle und Bösewichte in B-Filmen prädestiniert.

„Ich lehnte viele Rollen ab”, sagt Bautista, „und ich kämpfte viele Jahre, weil ich das Wrestling nicht verlassen hatte, um auf den billigen Action-Kerl festgelegt zu werden.”

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Tempo-Jäger Weil er Herausforderungen außerhalb des Kraftraums sucht, trainiert Bautista heutzutage weniger mit Gewicht. Er hat einen Triathlon absolviert und sich einen lila Gürtel in brasilianischem Jiu-Jitsu erworben.

Er strengte sich ernsthaft an, abzunehmen und wie ein normaler Kerl auszusehen, aber keine Chance. „Ich nahm jahrelang kein Gewicht mehr in die Hand und hielt Diät, machte Cardio. Ich hungerte mich auf 113 kg runter”, sagt er mit einem Lachen. So weit konnte er gehen, ohne ständig hungrig zu sein und sich schlecht zu fühlen. „Ich bin nun einmal eine große Person mit großen Knochen und ich trainiere seit 25 Jahren. Ich bin einfach ein Gorilla!”

Doch nicht nur sein Körper war ein Handicap – sein Lebenslauf machte die Sache nur noch schlimmer. Obwohl WWE-Fans wissen, dass Profi-Wrestler in einem Charakter aufgehen können, hatte diese Art von Schauspiel kein Gewicht im Filmgeschäft. Die Tatsache, dass er sich durch Wrestling bereits einen gewissen Ruhm erworben hatte, ohne eine formelle Ausbildung im Theaterfach absolviert zu haben, diente nur zur Steigerung des Unmuts gegen ihn.

Ich musste die Leute überzeugen, dass ich es ernst mit der Schauspielerei meinte und nicht nur ein Wrestler war, der mit Filmen berühmt und reich werden wollte”, sagt er. „Ich bin immer ein Filmfan gewesen. Ich sehe mir alle möglichen Filme an, die ganze Bandbreite.”

Während Bautista auf seinen Durchbruch wartete, ging er kurz einer anderen Ambition nach – und einer Chance, den Stereotyp des „fake” Kämpfers zu durchbrechen. 2012 nahm er an einem professionellen MMA-Kampf teil. Nach einem langsamen Start, bei dem er einige harte Schläge einstecken musste, schaffte er es, seinen Gegner zu Boden zu ringen und Schläge von oben abzuliefern, um noch vor dem Ende der ersten Runde eine Unterbrechung herauszuholen.

„Ich war so enttäuscht von meinem ersten Kampf, dass ich einen zweiten wollte”, sagt er. „Aber an diesem Punkt in meinem Leben und meiner Karriere macht das absolut keinen Sinn. Ich war enttäuschter von mir, weil ich so nervös war. Ich war wie eingefroren. Als sich die Käfigtür schloss, dachte ich: ,Was zum Geier mache ich hier?’ ” Dennoch verdiente er sich damit Respekt von Fans und Kritikern gleichermaßen und be wies, dass er keine Show braucht, um einen Kampf zu gewinnen.

3. Guardian seiner eigenen Galaxie

Bautista vs. Bond

Es dauerte Jahre, bis Bautista einen Agenten fand. „Mein jetziger Agent hat mich dreimal abgelehnt”, sagt er. „Und der Grund, warum er mich schließlich als Klienten aufnahm, war, weil er mich als Person mochte. Und der Grund, warum er mich mochte, war, weil er einen Freund von mir, [MMA-Kämpfer] Cung Le, vertrat und ich ihn über Le kennenlernte. Er rief mich eines Tages an und sagte: ,Ich habe ein Vorsprechen für dich und es ist ein langer Text’ – das war Guardians. Er vertrat mich buchstäblich erst eine Woche, als ich schon zum Guardians-Vorsprechen ging.”

Falls Ihnen der Titel nichts sagt: Guardians of the Galaxy war die nukleare Kinokassen-Explosion des Sommers 2014, spielte mehr als 774 Millionen Dollar ein und brachte Bautista viel Lob von den Kritikern ein. Er verdankt diese lebensverändernde Rolle des Drax dem Casting-Regisseur, der an ihn glaubte – und sagt, er verstand sich nach dem ersten Vorsprechen auf Anhieb mit dem Regisseur.

„Ich saß arbeitslos am Telefon, bis Guardians vor der Tür stand”, sagt er. „Ich glaube, alle erwarteten eine bestimmte Darbietung von mir und ich war das Gegenteil. Da fingen die Leute an, mich anzurufen.” Im Gegensatz zu den meisten Helden aus Marvel-Comics, die es auf die große Leinwand geschafft haben, ist Bautistas Drax lustig, empfindsam und verletzlich, was die zurückhaltende Persönlichkeit des Schauspielers zur Schau stellt.

Bautista sagt, dass die Rollen, die ihm seitdem angeboten wurden, überraschend vielseitig und tief sind. Da er das Stigma des Wrestlers, der Schauspieler geworden ist, abgelegt hat, war er zuversichtlich, dass er keinen Bösewicht mehr spielen musste, bis ihm die Rolle in dem neuesten James Bond Film Spectre angeboten wurde (war im November in den Kinos).

„Mein Agent rief mich an und fragte mich, ob ich in einem James Bond Film mitspielen wollte, und meine sofortige Reaktion war ,Na klar!’ Und er sagte: ,Ich wollte nur sichergehen, denn es ist die Rolle eines Killers.’ Aber ich bin stolz zu sagen, dass es Killer und James Bond Killer gibt. Die Bond Killer sind immer kultig und denkwürdig. Und es macht immer mehr Spaß, der böse Kerl zu sein, um ganz ehrlich zu sein.”

Seine Rolle als Mr. Hinx, so sagt uns Bautista, ist so tödlich wie es in diesen Filmen seit jeher zugegan gen ist, aber durchsetzt mit Bautistas ganz eigenem Humor. „Ernimmt nichts sehr ernst. Er tritt den Menschen mit einem Lächeln auf den Lippen in den Hintern. Niemand ist eine Bedrohung für ihn, also folgt er keinen Regeln, außer seinen eigenen. Was muss ihn also ärgern? Nichts. Das macht ihm alles Spaß. Er spielt ein Katz-und-Maus Spiel und genießt es.”

Interessanterweise bat ihn Regisseur Mendes, als sie das erste Mal über die Rolle sprachen, bis auf 122 kg oder mehr aufzubauen. Kein Problem. „Aber als die KostümDesigner zur Anprobe kamen, wog ich 122 kg und sie baten mich, bitte kein Gewicht mehr zuzulegen ”, sagt er lachend. Denn sie hatten es auch so schon schwer, ihn auszustatten. Folglich machte Bautista während der Dreharbeiten nur etwas Gewichtstraining, wählte hauptsächlich KörpergewichtKniebeugen und Liegestütze in seinem Trailer und Hotelzimmer sowie Boxtraining, wenn er es ins Studio schaffte. Bautista lacht bei der Frage, ob er in dem Film mit freiem Oberkörper zu sehen sei, und antwortet, dass Hinx so gut gekleidet sei, dass wir ihn nie entblößt sehen würden. Aber falls Sie Bautistas Auftritte im Ring vermissen, werden Sie sich freuen, zuerfahren, dass es in Spectre genug Hochspannungs-Kampfszenen gibt, um seinen WrestleMania-Auftritten Konkurrenz zu machen.

„Daniel Craig schlug mir während einer Kampfszene auf die Nase und dachte, er habe sie gebrochen. Mein Nase blutete aus beiden Löchern und ich sagte: ,Nein, Mann, alles in Ordnung.’ Wir machten mich sauber und drehten weiter. Sam Mendes verwendet keine Doubles, also machten wir die meisten Stunts selbst. Es wurde körperlich sehr an strengend.”

Das Beste dabei war vielleicht, so Bautista, dass er den Respekt der Filmpartner und Crew hatte (und nicht nur, weil er sie alle halbieren könnte). Craig, der Bautistas Arbeit aus Guardians kannte, half ihm, die Rolle zu bekommen (zumindest vermutet Bautista das) und er wurde nicht anders behandelt als die erfahrenen Schauspieler.

Zukünftige Projekte werden Bautista, 46, mit Robert DeNiro, Bruce Willis und Melissa McCarthy zusammenbringen. Er hofft immer noch, eines Tages so in die WWE zurückzukehren wie Dwayne „The Rock” Johnson es sporadisch getan hat, aber Bautista hat derzeit wegen seines vollen Drehplans keine konkreten Pläne.

Ob er – in Sachen Körper – immer noch zu massiv für seine Ambitionen ist, um eine Hauptrolle zu landen? Bautista sorgt sich eher darum, gute Arbeit in interessanten Rollen abzuliefern als die Nr. 1 an den Kinokassen zu sein und er schwört, dass er sich über den Wunsch der Regisseure hinaus treu bleiben wird. Er sagt, dass der Weg, den Christian Bale oder 50 Cent gegangen sind, nämlich für eine Rolle deutlich Gewicht und Muskeln zu verlieren, ihn nicht anspricht.

„Ich weiß nicht, ob ich dafür bereit bin oder es überhaupt möglich ist”, sagt er. „Ich habe mein Gewicht dieses Mal erreicht, indem ich nur Spinat und Protein aß, und ich war ständig hungrig. Aber ich konnte es damit nicht einmal schaffen, wie eine normale Person auszusehen. Doch ich mag das Trai ning; ich mag es, gesund zu sein. Ich will nicht magersüchtig sein. Wenn die Rolle das verlangt, ist es wahrscheinlich nicht die richtige Rolle für mich. Ich glaube, dass Wider standstraining immer Teil meines Lebens sein wird. Da fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser.”