DAVID HOFFMANN: Die deutsche Hoffnung beim MR. OLYMPIA

Im erfolgreichsten Jahr seiner Bodybuilding-Karriere greift David Hoffmann in der Classic-Physique-Kategorie nach dem Titel.

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David Hoffmann
Foto © Matthias Busse www.RepOne.de

Wäre Bodybuilding hierzulande kein Nischensport, würden sich die Medien darum reißen, die Geschichte von David Hoffmann zu erzählen. Fünfzehn lange Jahre kämpfte er um seine Profilizenz, trat dann bei seinem Profidebüt in einer neuen Klasse an, gewann zwei von drei Shows und tritt nun Freitagnacht als einziger Deutscher beim Mr. Olympia in Las Vegas auf die Bühne – dem ultimativen Wettbewerb des Bodybuildings – und misst sich mit der Weltelite.

 

Was lange währt…

 

Hoffmann kam am 26. Februar 1980 in Kirchheimbonlanden zur Welt. 1995 fing er an, mit Gewichten zu trainieren – erst zuhause mit SZ-Hantel, Scheiben und Hantelbank, ein Jahr später in einem Fitness-Studio. 2000 bestritt er seine ersten Bodybuilding-Wettkämpfe bei den Junioren und gewann direkt die NRW- sowie die Hessen- und RLP-Meisterschaft im Schwergewicht und Gesamtklassement.

 

Diesen Erfolg wiederholte Hoffmann auch in der Männerklasse. Als Amateur holte er unter anderem zweimal den 4. Platz bei der IFBB-Weltmeisterschaft, den 3. Platz bei der Arnold Classic Amateur und den 3. Platz beim Mr. Olympia Amateur. 2013 und 2014 gewann er zudem die Deutsche Meisterschaft.

 

Den größten Erfolg bei den Amateuren feierte Hoffmann beim Mr. Olympia Amateur 2015 in Spanien. Er machte den 1. Platz im Superschwergewicht und wurde auch noch Gesamtsieger. Bei dem Wettbewerb setzte er sich unter anderem gegen Ahmad Ashkanani durch, der als Profi zweimal Olympia-Zweiter in der 212-Kategorie wurde. Durch seine Leistung in Spanien verdiente sich Hoffmann die begehrte Profilizenz – von der er jedoch drei Jahre lang keinen Gebrauch machte.

 

Der Durchbruch als Classic-Physique-Athlet

 

2016 führte die IFBB Pro League eine neue Kategorie ein, welche die klassische Bodybuilding-Figur wieder in den Vordergrund stellen sollte – schließlich war diese mit ihrem Fokus auf Symmetrie, Proportionen und Ästhetik einer der Wegbereiter für die Goldene Ära des Sports. Die sogenannte Classic-Physique-Kategorie ist ein Gegenstück zu den Massemonstern, die man bisher vom Mr. Olympia kannte. Männer wie Steve Reeves, Frank Zane und natürlich Arnold Schwarzenegger sind Paradebeispiele für eine klassische Figur.

 

Um dem Massewahn einen Riegel vorzuschieben, gibt es in der Classic-Physique-Kategorie verschiedene Gewichtslimits – abhängig von der Größe der Teilnehmer. Während Hoffmann früher beispielsweise ein Wettkampfgewicht von rund 113 Kilo hatte, darf er nun mit seinen 1,86 Metern maximal 104 Kilo wiegen.

 

Kennzeichen einer klassischen Figur sind im Oberkörper die breiten Schultern und der breite Latissimus, der in eine schmale Taille übergeht – die sogenannte V-Form. Im Unterkörper sind zudem Oberschenkel mit praller Form und tiefer Teilung wichtig, sie dürfen aber nicht so überdimensioniert sein wie in der offenen Gewichtsklasse. All das bringt Hoffmann mit. Sein Aussehen erinnert er an eine Ära des Sports, in der eine gute Vakuum-Pose genauso geschätzt war wie eine umwerfende Most-Muscular-Pose. Die Entscheidung, in der neuen Classic-Physique-Kategorie anzutreten, hat sich für ihn als goldrichtig erwiesen, denn Freitagnacht darf er 18 Jahre nach seinem ersten Bodybuilding-Wettkampf auf der größten Bühne des Sports posieren.

 

Der Weg zum Mr. Olympia

 

Im März dieses Jahres reiste Hoffmann zum New York Pro, es war sein Debüt als Profi und als Classic-Physique-Athlet. Schon als Amateur hatte er einen traditionelleren Look, aber mit etwas weniger Gewicht auf der Bühne konnte er seine klassische Linie noch besser in Szene setzen. Es zeigte sich zudem, wie sehr ihm die dynamischen und eleganten Posen aus der Goldenen Ära des Bodybuildings liegen – zumindest mehr als seinen Konkurrenten. Trotzdem kam er hinter Regan Grimes und Divine Wilson „nur“ auf den 3. Platz. Grimes war erst wenige Tage zuvor von der offenen Klasse in die Classic-Physique-Kategorie gewechselt und wirkte aufgrund seiner zu massigen Oberschenkel und der schwunglosen Kür etwas fehl am Platze. Die Bewertung der Jury wurde daher kontrovers diskutiert und viele Fans und Experten, auch amerikanische, sahen Hoffmann vor Grimes.

 

Von dem dennoch guten Ergebnis motiviert, startete Hoffmann im Juni beim San Marino Pro. Diesmal passte die Form, die Kür, die Jury und er holte verdient den 1. Platz. Dadurch war er eigentlich schon für den Mr. Olympia qualifiziert, aber er nahm dennoch eine Woche später auch an der Veronica Gallego Classic in Spanien teil und gewann erneut. Auch wenn ihn die Buchmacher in Las Vegas vor dem großen Wettbewerb nicht als Topfavoriten führen – Hoffmanns Konkurrenten haben ihn definitiv auf dem Zettel.

 

Die Favoriten in der Classic-Physique-Kategorie

 

Der Vorjahressieger Breon Ansley und der Vorjahreszweite Chris Bumstead sind die beiden großen Favoriten, auf die 2018 fast alle Augen gerichtet sind. Da die Classic-Physique-Kategorie eine sehr junge Klasse ist, gibt es noch keinen definitiven Sieger-Look, an dem sich Athleten und Jury orientieren könnten. Manche Experten meinen jedoch, Ansley habe diesen Standard im vergangenen Jahr gesetzt und sei nun derjenige, der künftig den Ton angeben wird.

 

Ansley gewann in diesem Jahr bereits die Arnold Classic in der Classic-Physique-Kategorie, jedoch hat Bumstead an dem Wettbewerb nicht teilgenommen, sodass ein aktueller Vergleich fehlt. Mit seinen 38 Jahren hat Ansley zudem eine andere Muskelreife und -qualität als der 14 Jahre jüngere Bumstead und auch in der Rückansicht ist er ihm noch voraus.

 

Hoffmanns Konkurrenten in der Classic-Physique-Kategorie

 

Beim Olympia-Debüt direkt einen Platz in der Top 5 zu erreichen, wird für Hoffmann schwer, aber nicht unmöglich. Bei der Vergabe der vorderen Ränge spielt natürlich auch die Politik eine Rolle – das ist keine Verschwörungstheorie unterlegener Athleten, sondern traurige Realität. Faktoren wie die Herkunft oder der Bekanntheitsgrad sollten bei der Bewertung keine Rolle spielen, werden aber – bewusst oder unbewusst – dennoch herangezogen.

 

Das dürfte auch einen der Geheimfavoriten betreffen, den Niederländer Wesley Vissers, der dieses Jahr den Chicago Pro gewann. Er besitzt – genauso wie Hoffmann – die perfekte Linie für die Classic-Physique-Kategorie und überzeugt auf der Bühne ebenfalls mit seiner Fähigkeit, die klassischen Bodybuilding-Posen in seiner Kür flüssig und präzise zu präsentieren.

 

Große Chancen auf die Top 5 hat sicherlich Arash Rahbar, der 2016 den 2. und 2017 den 4. Platz machte und zudem bei der diesjährigen Arnold Classic auf dem 2. Platz landete. Der Classic-Physique-Champion von 2016, Danny Hester, zeigte bei der Arnold Classic mit dem 4. Platz, dass er mit seinen 49 Jahren noch immer gut dabei ist. George Peterson, ein verbesserter Regan Grimes, Divine Wilson sowie Courage Opara muss man als direkte Konkurrenten ebenfalls auf der Rechnung haben.

 

Deutsche Bodybuilder beim Mr. Olympia

 

Hoffmann ist 2018 zwar der einzige, aber nicht der erste Deutsche beim Mr. Olympia. Den Wettbewerb gibt es bereits seit 1965, doch erst in den Achtzigerjahren gab es die ersten Erfolge aus deutscher Sicht. Der ehemalige Gewichtheber Jusup Wilkosz holte 1981 den 6. und 1984 sogar den 3. Platz. 1986 kam Peter Hensel ebenfalls auf den 6. Platz.

 

Anschließend dauerte es fast wieder zwei Jahrzehnte, ehe die deutschen Bodybuilder beim Mr. Olympia wieder für Furore sorgten. Den Anfang machte Günter Schlierkamp, der 2002 und 2003 den 5. Platz belegte, 2004 den 6. und 2005 den 4. Dennis James machte 2003 den 4. und 2005 den 6. Platz. Dazwischen kam Markus Rühl im Jahr 2004 auf den 5. Platz.

 

Dann schlug die große Stunde von Dennis Wolf: 5. Platz 2007, 4. Platz 2008, 5. Platz 2010 und 2011, 6. Platz 2012 und dann, 2013, hinter Phil Heath und Kai Greene der 3. Platz – das beste Ergebnis seit Wilkosz. Wolf, der mittlerweile in Las Vegas lebt, begleitet Hoffmann in der Woche vor dem Wettkampf – ein gutes Omen?

 

Vor einem Jahr holte zudem Ronny Rockel nach seinem Wechsel in die 212-Kategorie noch mal den 7. Platz, nachdem er 2010 in der offenen Klasse bereits den 6. Platz erreicht hatte.

 

Mr. Olympia live im Internet

 

Ob Hoffmann in der Classic-Physique-Kategorie an die Erfolge der deutschen Bodybuilding-Legenden aus der offenen Gewichtsklasse anknüpfen kann, könnt ihr live und kostenlos mitverfolgen. Auf www.iHerb.com/info/olympia werden fast alle Wettbewerbe übertragen. Das Finale der Classic-Physique-Kategorie findet in der Nacht zum 15. September ab ca. 4 Uhr statt.

 

Begleitet David Hoffmann im exklusiven Videotagebuch von RepOne in Las Vegas: