Der große Diät-Check – Milchfreie Ernährung

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DIE THEORIE

Milchbasierte tierische Produkte wie Käse, Butter, Sahne und Joghurt werden vom Speiseplan gestrichen. Dahinter steckt die Überlegung, dass ein größerer Teil der Bevölkerung laktoseintolerant ist. Die Mehrzahl der Kohlenhydrate (KH) in Milchprodukten besteht aus Laktose. Die Zuckerart kann zu den unterschiedlichsten Symptomen von Verdauungsproblemen bis hin zur Akne f­ühren. Das Ganze hat auch einen ethischen Hintergrund: Die Mehrzahl der Milchkühe wird jedes Jahr zwangsmäßig befruchtet, um den Milchertrag konstant zu halten. Oft werden sie zudem in überfüllten Ställen gehalten und geschlachtet, bevor sie f­ünf Jahre alt werden. Selbst, wenn du kein aktiver Tierschützer bist, solltest du die Auswirkungen einer ungesunden Tierhaltung auf die Milchqualität sowie den Cocktail an Antibiotika auf der Rechnung haben, den du möglicherweise jeden Morgen mit dem Müsli zu dir nimmst.

­WISSENSCHAFTLICHE BELEGE

Wenn dich die moralische Seite kalt lässt, lohnt sich dennoch ein Auslassungsversuch, um herauszu­finden, ob du nicht auch laktoseintolerant bist. Die Verdauungsschwäche kann in manchen Ländern bis zu 90 Prozent der Bevölkerung betreffen. Im nördlichen Europa ist das Problem allerdings weit weniger verbreitet. Die Fähigkeit, Milch problemlos verdauen zu können, ist in unseren Breitengraten evolutionär bedingt. Zum Test kannst du es mit einer abgespeckten Version der Null-Milch- Diät versuchen: Lass 30 Tage lang alle Milchprodukte weg und nimm dann unterschiedliche Lebensmittel Schritt f­ür Schritt wieder in den Speiseplan auf, um herauszuf­inden, ob der Verzehr bei dir Trägheit, Blähungen oder noch unschönere Effekte nach sich zieht.

­ VORTEILE

Heutzutage sind überall im Handel viele praktische und praktikable Alternativen wie Mandel-, Reis- und Kokosmilch ver­fügbar. Wenn du einfach Käse liebst und dir das Schicksal der Kühe egal ist, solltest du wissen: Beim Hartkäse wie etwa beim Parmesan und altem Gouda geht bei der Herstellung automatisch viel Laktose verloren.

­NACHTEILE

Soja wird oft als eiweißreiche vegane Alternative zur Milch angepriesen, womit aber nicht alle Experten einverstanden sind. Schließlich enthält Soja Phytoöstrogene, die in den Hormonhaushalt eingreifen können. Bei kleinen Mengen sind die Konzentrationen zwar nur gering. Ryan Andrews von Precision Nutrition weist dennoch darauf hin, dass es eher ungünstig sei, regelmäßig eine Menge von drei Portionen am Tag zu überschreiten. Ohne Joghurt, Käse und den beliebten Ayran aus dem  Dönerladen enthältst du deinem Organismus außerdem Bakterien vor, die er ­für seine Darmflora braucht. Die musst du dir dann über andere Quellen holen – was in letzter Konsequenz heißt, dass du mehr vergorene Lebensmittel zu dir nehmen musst. Ein guter Lieferant wäre zum Beispiel Sauerkraut.

­ URTEIL DER EXPERTIN

„Ich f­inde es nicht besonders sinnvoll, Lebensmittelgruppen aus der Ernährung auszuklammern – es sei denn, es gibt einen guten Grund da­für. Andererseits müssen Milchprodukte natürlich im Speiseplan auch keine so zentrale Rolle spielen“, meint die Ernährungsexpertin Yolanda Hinchcliffe. „Das Argument, dass der Körper das zur Aufrechterhaltung des Kalziumspiegels braucht, ist überholt. Die beste Strategie ist meiner Meinung nach, hochwertige Milchprodukte zu essen und den Rest durch gesunde Alternativen zu ersetzen – aber bitte nicht durch industriell verarbeitetes Soja.“

 

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Bis dahin: stay fit & healthy!