Der Herr der Pisten

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2011

Travis Rice ist der beste Allround-Snowboarder der Welt. Der mittlerweile 34-Jährige hat unzählige Erfolge bei den X-Games, U.S. Open und sonstigen Contests eingefahren. Wir wollten wissen, was ihn antreibt.

Was musst du mitbringen, um ein herausragender Snowboarder zu werden?

Eine der wichtigen Eigenschaften ist die mentale Stärke. Das war in meiner Karriere als Snowboarder definitiv ein wichtiger Baustein. Außerdem ist es auch sehr wichtig, mit seinem eigenen Körper pfleglich umzugehen. Das ist wie beim Auto. Wenn du es immer nur drischst, nutzt es sich schneller ab. Du musst die Regenerationsphasen berücksichtigen.

Wie hart trainierst du in der Saisonpause?

Bevor der Winter kommt, bereite ich mich zwei Monate lang vor. Im Idealfall verbringe ich dann viel Zeit im Fitnesscenter. Dabei konzentrier ich aber fast ausschließlich auf die allgemeine Beweglichkeit. Für einen Snowboarder ist es immens wichtig, nicht nur kräftig sondern in erster Linie beweglich zu sein. Bei vielen meiner Workouts stehen daher die Beweglichkeit der Muskulatur und die Stärkung des Bindegewebes im Mittelpunkt. Das gilt vor allem für die Beine, die großen Kräften standhalten müssen.

Wie sieht dein Training aus, wenn die Saison angefangen hat?

Im Winter – vor allem, wenn ich die ganze Zeit auf dem Brett stehe – liegt der Fokus auf der Regeneration und der Gesundheit. Im Sommer werden die Einheiten absolviert und die Muskeln in Form gebracht,damit sie im Winter einsatzbereit sind, wenn es ans Eingemachte geht. Während der Saison arbeite ich dann öfter an der Schaumstoffrolle. Außerdem dehne ich mich und versuche, mir die Beine beim Spinning auszuschütteln. So kann ich die Belastungen besser wegstecken. Viele Snowboarder unterschätzen die Faktoren Fitness und Gesundheit.

Wie wichtig ist das Selbstvertrauen, wenn man den Gipfel erklimmen will?

Das Selbstvertrauen und Visualisierungstechniken sind zwei Kernpunkte für mich. Wenn ich mir bei einer Aktion unsicher bin, funktioniert es oft nicht so wie ursprünglich gedacht. Es gab einige Momente in „The Fourth Phase“ [Rices neuer Film, Anm. d. Red.] in denen nicht das ganze Team restlos überzeugt war, ich aber die nötige Zuversicht hatte. Das ist unglaublich wichtig. Ich könnte keine so großen Berge befahren, wenn ich nicht auf meine Fähigkeiten vertrauen würde. Ein Schlüsselfaktor ist auch die Visualisierung. Du musst das ganze vor deinem geistigen Auge durchgespielt haben und fest davon überzeugt sein, dass es einfach klappen muss. Ich hoffe, dass dieser Aspekt auch im Film gut rüberkommt.

Wie schaffst du es, deine Ängste zu überwinden?

Ich habe mich schon lange von dem Gedanken verabschiedet, dagegen ankämpfen zu müssen. Es gibt einen guten Grund dafür, warum wir uns fürchten. Ich finde, die Angst ist ein Geschenk und eine der stärksten Eigenschaften des Menschen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich mit den eigenen Ängsten vertraut zu machen, auf sie zu hören und sie wertzuschätzen. Du darfst dich eben nur nicht davon überwältigen lassen. Unsere Ängste helfen uns jedes Mal aufs Neue, am Leben zu bleiben. Wäre ich ein absolut furchtloser Mensch, dann würde ich heute nicht hier sitzen.

Was würdest du deinen Fans gern mit auf den Weg geben?

Ich möchte die Leute gern dazu anregen, nicht nur über den Tellerrand zu blicken, sondern gleich über den ganzen Tisch. Außerdem finde ich, jeder Mensch sollte etwas finden, was er liebt und worin er vollkommen aufgeht.

 

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Bis dahin: stay fit & healthy!