„Wir müssen den jungen Leuten wieder beibringen, wie ein gesundes Leben aussieht.“

Arnold Schwarzeneggers Biografie steckt voller Superlative: Er war der beste Bodybuilder aller Zeiten, stellte mit einem seiner Filme den damaligen Umsatzrekord an den Kinokassen ein und war der mächtigste Mann Kaliforniens, des bevölkerungsreichsten Bundesstaats Amerikas. Es gibt kaum jemanden, der eine so unglaubliche Karriere hingelegt hat wie Schwarzenegger. Ein Gespräch über Gesundheit, Karriere und den Wandel der Fitnessindustrie.

  • MF: Gibt es für Actionstars ein Verfallsdatum?
    AS: Es kommt immer auf die Story an. Liam Neeson ist ein gutes Beispiel. Der ist inzwischen 64, und  die Zuschauer lieben ihn in seinen Actionfilmen. Wenn im Film seine Tochter entführt wird und er die Kidnapper zur Strecke bringt, dann fiebern die Zuschauer mit ihm mit. Und zwar auf eine andere Art und Weise, als sie es bei einem 25Jährigen tun würden. Das Publikum fühlt stärker mit ihm, denn er ist verletzlicher. Clint Eastwood ist ein ähnlicher Fall, der erreichte den Höhepunkt seiner Actionkarriere auch erst mit 50 oder 60. Ich glaube nicht, dass Actionfilme zwangsläufig mit jungen Schauspielern besetzt werden müssen. Nur die Story muss glaubhaft sein.
  • Inwiefern hat sich das Gesicht der Fitnessindustrie im Laufe deines Lebens verändert?
    Wenn du vor einigen Jahren zum Drehen unterwegs warst, konnte es sein, dass es im Hotel kein Fitness-Studio gab. Heutzutage findest du in fast jedem Hotel einen Workout-Bereich. Falls nicht, gibt es oft um die Ecke ein Fitnesscenter. Der Zugang zum Equipment ist viel einfacher.
  • Warum ist die amerikanische Bevölkerung so dick?
    Es geht einfach nicht, dass du nach Hause kommst, dich direkt vor den Fernseher pflanzt oder dir sagst: „Ich habe heute keine Kraft mehr zum Kochen, lass uns zu McDonald’s gehen.“ Die meiste Zeit essen die Leute Gerichte, die sie dick machen: Shakes mit Tausenden von Kalorien, Malzgetränke und dergleichen. Im Gesundheitsbereich wäre es notwendig, finanzielle Anreize für eine gesunde Lebensführung zu schaffen. Durch täglichen Sport und den Verzicht aufs Rauchen sollte es möglich sein, die Kosten fürs Gesundheitssystem zu senken. Wenn die Eltern schon übergewichtig sind, ist es ganz logisch, dass ihre Kinder auch dick werden.

BLUT GELECKT:

Der junge Jeff Bridges beobachtet Schwarzenegger beim Eisenstemmen im Film „Mr. Universum“  (1976).

  • Wie sieht die Lösung für die epidemieartige Fettleibigkeit unter amerikanischen Jugendlichen aus?
    Wir müssen den jungen Leuten wieder beibringen, wie ein gesundes Leben aussieht. Meine Mutter hat immer um 4:00 Uhr nachmittags mit dem Kochen angefangen. Wir sind von der Schule nach Hause gekommen, haben unsere Hausaufgaben erledigt und Fußball gespielt. Danach gab es Abendessen. Einen Fernseher hatten wir nicht. Solang die Eltern das Problem nicht erkennen und sich keiner Zeit zum Kochen nimmt, solang wird dieses Problem fortbestehen. Meiner Meinung nach müsste auch mehr Geld in den Sportunterricht in der Schule gesteckt werden.
  • Nervt es dich, wenn Kinder ständig auf ihren Handys rumtippen?
    Man muss aufpassen, dass es nicht überhandnimmt und die Leute einem beim Abendessen ins  Gesicht und nicht auf ihr Display schauen. Man muss Regeln einführen. Das verärgert zwar die Kids, aber ich will ja schließlich keinen Popularitätswettbewerb gewinnen, sondern ein  verantwortungsbewusster Vater sein.
  • Wie hat sich dein Fitnessprogramm über deine Filmkarriere hinweg weiterentwickelt?
    Das war immer abhängig davon, welche Ziele sie [die Regisseure] mir gesetzt hatten. Für „Mr. Universum“ wollte Bob Rafelson beispielsweise, dass ich knapp 14 Kilo abspecke. Zwei Drittel meines Programms bestanden damals aus Kardio-Einheiten, ein Drittel aus Krafttraining. Für „Conan der Barbar“ musste ich hingegen so aussehen wie ein kräftiger Wilder, dessen Muskeln auf körperliche Auseinandersetzungen und harte Arbeit zurückgehen. Ich brauchte dafür viel Masse und Kraft, aber nicht zu viel Definition. Deswegen habe ich beim Training schwerere Gewichte aufgelegt. Nach meiner aktiven Wettkampfzeit habe ich angefangen, allgemein schlauer zu trainieren. Ich bin dazu übergegangen, sechs Sätze am Stück ohne Pause zu absolvieren. Außerdem habe ich die Länge der Sätze erhöht. Inzwischen mache ich mehr Kardiotraining, um das Herz fit zu halten und Fett zu verbrennen. Schließlich wird mit den Jahren der Stoffwechsel langsamer.

„Es geht einfach nicht, dass du nach Hause kommst, dich direkt vor den Fernseher pflanzt oder dir sagst: „Ich habe heute keine Kraft mehr zum Kochen.“

  • [Schwarzenegger stellt eine Gegenfrage.] AS: Wisst ihr, was es mit diesem Carb Backloading auf sich hat? Mein Assistent hat mir davon erzählt, und ich habe es nicht verstanden.
    MF: Es handelt sich um eine Diätstrategie, erstellt durch den Ernährungsexperten John Kiefer. Das Prinzip besteht darin, über den ersten Teil des Tages keine Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und dann nach dem Training die Speicher zu füllen. Es heißt, dass, die Muskulatur die Nährstoffe dann schneller aufnimmt. Wer das Thema Ernährung etwas entspannter angehen und mehr Junkfood essen will, ohne zuzulegen, sollte demnach die Kohlenhydrataufnahme auf einen späteren Zeitpunkt nach dem Training legen.
  • AS: Zusammen mit Franco [Columbu, Arnolds bester Freund und Bodybuilding-Kollege] bin ich in der Woche vor Wettbewerben immer ins House of Pies [in Santa Monica, Kalifornien] gegangen, um die ganze Nacht lang Kuchen zu futtern. Von den ganzen Sachen, die mir du gerade erklärt hast, wussten wir damals noch nichts. Wir hatten einfach das Gefühl, dass das zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige für uns war. Die anderen Bodybuilder meinten damals nur: „Ihr seid ja verrückt. Das wird euch eure ganze Muskeldefinition kosten. Ihr werdet mit eurer Ernährung alles versauen und den Wettkampf verlieren.“ Aber wir waren einfach ausgezehrt. Nach den ganzen Diäten konnten wir keinen klaren Gedanken mehr fassen.Also rannten wir wie zwei kuchensüchtige Junkys immer wieder ins House of Pies. In der Regel verschlangen wir dort einen Kirschkuchen nach dem anderen. Wenn wir danach raus auf die Straße traten, grinsten wir über beide Ohren – wie Süchtige, die endlich ihren Stoff bekommen haben. Das war schon immer später am Abend, gegen acht oder neun. Wenn ich mir das mit dem Carb Backloading jetzt so anhöre, war das vielleicht der Grund, warum sich das Ganze nicht so negativ ausgewirkt hat, wie uns damals alle prophezeit hatten.

Schulterschluss mit Arnie:

Schwarzenegger beschränkte beim Schultertraining den Einsatz der Langhantel auf ein Minimum. Sein Argument war, dass das ganze Bank- und Schrägbankdrücken ausreiche, da es ja die Deltamuskeln auch zu einem gewissen Grad mit beanspruche. Eine ganze Zeitlang schloss er die Deltamuskeln mit ins Armtraining ein, und zwar gleich ganz am Anfang – vor dem Hintergrund, dass seine Deltamuskeln von Natur aus schwach ausgeprägt waren und beim Training frisch sein mussten. Schwarzenegger verlegte sein Schultertraining normalerweise nicht wie so viele andere Leute auf dieselbe Einheit wie das Brustmuskel-Workout. Auch, wenn seine Trapezmuskeln keine allzu große Beachtung fanden: In den Workouts des Österreichers durften entsprechende Übungen nie fehlen. Er kümmerte sich oft nach den Deltamuskeln noch im selben Workout um seine Trapezmuskeln.

Das Workout:

Umsetzen und Ausstoßen an der Langhantel
1 Satz; 20–30 Wiederholungen


Arnold Press
5 Sätze; 6 Wiederholungen

im SUPERSATZ mit vornübergebeugtem Seitheben

5 Sätze; 8-10 Wiederholungen


Seitheben im Liegen
5 Sätze; 12 Wiederholungen


Seitheben am Kabel
5 Sätze; 12 Wiederholungen


Wechselseitiges Frontheben an den Kurzhanteln
3 Sätze; 12 Wiederholungen

 

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Bis dahin: stay fit & healthy!