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Posted On 30/08/2011 By In Gesundheit With 1727 Views

Halten Sie die Zeit an


Die Wissenschaft behauptet, dass wir immer länger leben werden. Aber werden wir die Zeit auch genießen können?

Men’s Fitness zeigt Ihnen, wie Sie länger Freude am Leben haben und Ihren Lebensabend gesund und vital gestalten können.

Zuerst die gute Nachricht: Sie haben gute Chancen, 100 Jahre alt zu werden. In einer in der medizinischen Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlichten Studie wurden Daten von mehr als 30 Industrienationen ausgewertet. Diese Daten zeigen, dass sich die Wahrscheinlichkeit, älter als 80 Jahre zu werden, seit 1950 verdoppelt hat – und zwar bei Männern und Frauen. Und wenn Sie gesund leben, schaffen Sie sogar noch weitere 20 Jahre. Die alles entscheidende Frage ist, in welcher Form Sie sich im Alter befinden.

Physischer Abbau und chronische Leiden

Und jetzt zur schlechten Nachricht: Bereits ab einem Alter von 30 Jahren muss man mit einem Abfall der maximalen Herzfrequenz und der maximalen Herzleistung (d.h. die Menge an Blut, die das Herz durch den Körper zirkulieren lässt) rechnen. Die Lungenkapazität und deren Fähigkeit, dem Blutkreislauf Sauerstoff aus der Luft zuzuführen, nimmt langsam ab. Die Muskelmasse – vor allem die der schnell kontrahierenden Typ-2-Fasern – nimmt ebenfalls ab.

Ab einem Alter von circa 30 sinkt auch der Testosteronspiegel, die Wachstumshormone werden weniger, durch die geringere Durchblutung des Gehirns nimmt die Reaktionsfähigkeit ab und es treten Gleichgewichtsstörungen auf. Und das sind nur die natürlichen Alterserscheinungen. Dazu kommt das, was wir uns selbst antun. Es ist beispielsweise belegt, dass Läufer oft unter einer Knochenhautreizung oder Knieproblemen leiden, wenngleich auch neueste Studien darauf hinweisen, dass vielmehr die Körperhaltung und das Schuhwerk problematisch sein könnten als das routinierte Laufen an sich.

Aber auch andere Sportarten bergen Verletzungsgefahren. Die Orthopädieforscherin Mya Lay Sein, weist in einer britischen Medizin-Fachzeitschrift darauf hin, dass häufiges Schwimmen zur so genannten „Schwimmerschulter“ führen kann – einer Form des RSI-Syndroms (Verletzungdurch wiederholte Belastung), das sich in Form einer Entzündung ausdrückt. Genau wie bei Laufverletzungen wird vermutet, dass eine falsche Technik die Ursache sein könnte – beispielsweise die Verwendung von Hand Paddles oder das Eintauchen der Hand ins Wasser mit nach außen zeigenden Handflächen. Bei Tennisspielern können durch ständiges Aufschlagen ähnliche Probleme an der Rotatorenmanschette auftreten. Auch andere Sportarten haben oft unbekannte Risiken. Dr. Frank Webbe ist Fußballtrainer und Psychologieprofessor am Institute of Technology in Florida. Er hat Studien durchgeführt, die darauf hinweisen, dass Fußballer, die den Ball oft köpfen, unter neurologischen Langzeitstörungen leiden können. „Spieler, die die am höchsten geschätzte Anzahl an Kopfbällen in ihrem Leben gespielt haben, schnitten bei Leistungstests in puncto Aufmerksamkeit, Konzentration, Anwendung von Erkenntnissen und allgemeiner Intelligenz am schlechtesten ab.“ Ob die Kopfbälle, die Sie während Ihres gesamten Lebens bei Sonntagskicks auf dem Bolzplatz einköpfen, wirklich Ihrem Gehirn schaden, ist nicht bekannt, aber falls Sie viel Zeit in irgendeine sportliche Betätigung investieren, sollten Sie sich auf jeden Fall über die potentiellen Risiken erkundigen – egal, wie klein die körperliche Belastung auch zu sein scheint.

Game over

Wenn Sie jetzt in Betracht ziehen, Ihr wöchentliches Training aufzugeben, haben Sie etwas falsch verstanden. Laut Studien, die an Tieren unternommen wurden, ist das Altern nur zu 30 Prozent genetisch bedingt. Das bedeutet wiederum, dass Sie Ihr Leben in entscheidendem Maße beeinflussen können – und es gibt eine Vielzahl von Anzeichen dafür, dass, wenn Sie körperlich aktiv bleiben, Sie nicht nur die durch das Altern bedingten physischen, sondern auch die geistigen Schwächen abwehren können.

„Es besteht ein Trend, Stress zu vermeiden“, erklärt Dr. Marios Kyriazis, Gründer der Britischen Gesellschaft für Langlebigkeit. „Es gibt aber immer mehr Anzeichen, dass eine gewisse Menge Stress dem Körper gut tut und ihn fit hält. Er braucht aber auch Zeit zum regenerieren. Außerdem sollte für Abwechslung gesorgt werden: Anstatt jede Woche dieselbe Sportart auszuüben, sollten Sie an einem Tag einen langen Spaziergang unternehmen, am nächsten Tag einmal tanzen gehen, dann
Basketball spielen oder mal Kiteboarden.“Und Sie sollten zweifelsohne Krafttraining machen. Eines der größten Leiden, dass im Alter auftritt, ist Osteoporose – eine Verringerung der Knochendichte, die das Risiko von Knochenbrüchen schon bei kleinen Stürzen erhöht.

Oft wird zum Schutz vor Knochenbrüchen zur Einnahme von Kalzium oder Vitamin D geraten. Doch Kathy Keeton, Herausgeberin des Magazins „Longevity: die Kunst des Jungbleibens“ sagt, das reiche nicht aus. „Um Kalzium aufzunehmen, braucht der Körper auch andere Nährstoffe – und zwar zunächst einmal Magnesium“, fügt sie hinzu. „Wichtiger ist jedoch das Training, besonders das Gewichtetraining, das den Knochen hilft, Kalzium zu bewahren.“ Gewichttraining kann für ältere Leute der beste Weg sein, ihre Knochendichte beizubehalten, weil keine stoßartigen Bewegungen wie beim Laufen oder Kontaktsport auftreten. Sie sollten damit jedoch nicht warten, bis die Osteoporose zu einer realen Bedrohung für Ihre Knochen geworden ist. In den jungen Jahren legt man am einfachsten Knochenmasse zu und behält diese auch bei. Außerdem zeigte eine Studie im „Magazin für Rheumatologie“, dass progressives Krafttraining Probanden dabei half, Athrosesymptome zu reduzieren. Diese Erkrankung tritt besonders ab einem Alter von 65 Jahren auf.

Forscher schlussfolgerten daraus, dass starke Muskeln als eine Art “Puffer” für die Gelenke agieren und die Beanspruchungen bei alltäglichen Aktivitäten reduzieren. Gewichtheben, insbesondere Compound Moves (gekoppelte Übungen) wie Kreuzheben, stärken den Testosteronhaushalt und reduzieren deshalb das Risiko von Impotenz, Fettleibigkeit oder eines Herzinfarkts. Die Botschaft ist klar: Heute ein paar Stunden Gewichte zu heben, kann in Zukunft viele Unannehmlichkeiten vorbeugen.

Geistig fit bleiben

Und dann sind da noch die grauen Zellen: Unerfreulicherweise fällt ebenfalls der Serotoninspiegel im Alter. Serotonin ist der Neurotransmitter, der im Volksmund auch als Glückshormon bekannt ist. Zur gleichen Zeit und im gleichen Maße baut der Körper das Stresshormon Kortisol ab. Das bedeutet, dass man – emotional und körperlich – empfindlicher für Stress wird und es schwieriger ist, sich wieder davon zu erholen. Dennoch haben jüngste Studien gezeigt, dass Krafttraining bei Personen zwischen 65 und 75 Jahren positive Auswirkungen hat. Sie konnten ihre Ergebnisse bei Wahrnehmungstests steigern, die das Erinnerungsvermögen und die Entscheidungsfindung beurteilten. Eine andere in Deutschland durchgeführte Untersuchung zeigt, dass regelmäßige körperliche Betätigung das Risiko einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung bei Personen über 55 Jahren reduziert.

„Es stimmt nicht, dass man einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen kann. Das so genannte ‘alternde Gehirn’ ist genauso lernfähig wie Gehirne jüngerer Menschen.“

„Unser Gehirn kann bis zum Lebensende dazulernen; somit können wir die Evolution austricksen“, sagt Arnold B. Scheibel, Professor für Neurobiologie und Psychiatrie an der University of California, Los Angeles, und ehemaliger Direktor des Hirnforschungszentrums. „Wir können uns während unserer Lebenszeit also selbst zur Entwicklung zwingen“, meint er. Wissenschaftler fangen gerade erst an, richtig zu verstehen, wie die Formbarkeit des Gedächtnisses beibehalten werden kann.
Körperliche Ertüchtigungen sind auf jeden Fall ein guter Beitrag. Es spricht auch einiges dafür, dass Menschen, die in gutem Kontakt mit Familie und Freunden sind, in einer besseren körperlichen und geistigen Verfassung bleiben. Sozial aktiv zu sein hilft auch dabei, eine positive Einstellung zu behalten – und zwar durch eine Steigerung des Selbstwertgefühls. „Unsere Angehörigen sind für uns weitaus wichtiger als wir manchmal annehmen“, sagt Kyriazis. „Ohne Menschen, mit denen wir uns vergleichen könnten, hätten wir selbst keinen Antrieb.“ Neue Herausforderungen scheinen der beste Weg zu sein, um geistig fit zu bleiben. „Durch sehr langwierige Forschungsarbeit haben wir jetzt herausgefunden, dass das so genannte “alternde Gehirn” genauso lernfähig ist wie das Gehirn jüngerer Menschen“, so Scheibel. „Der alte Spruch ‚Man kann einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen‘ ist schlicht falsch. Neue Dinge zu lernen wie beispielsweise Musik, Sport oder eine Fremdsprache kann zwar länger dauern, aber es ist auf jeden Fall möglich.“

Marian Diamond, Professorin an der University of California (und Scheibels Frau), hat viel Forschungsarbeit investiert, um zu widerlegen, dass die Gehirnleistung ab einem Alter von 30 Jahren abfällt. Sie betont, dass frühere Studien zum Verfall des Gehirns nicht berücksichtigten, ob die Probanden bettlägerig, ungesund oder in anderer Weise untätig waren.

Scheibel selbst das perfekte Beispiel für mentale Fitness im Alter und deren Gewinn: Da die Zwangspensionierung ab einem bestimmten Alter an der Universität von Kalifornien (UCLA) abgeschafft wurde, hält Scheibel sein Gehirn fit, indem er im Alter von 87 Jahren einen bekanntermaßen sehr schwierigen Neurologiekurs unterrichtet. „Einer unserer größten Fehler war es, Leistungsträger in Rente zu schicken“, sagte er und fügt hinzu, dass die gegenwärtige Rentenkrise – auf irgendeine Weise – sogar ein Segen sei. „Jetzt entwerfen wir Gesetze, die uns erlauben, die Zwangspensionierung abzulehnen.“

Das Ende aller Tage

Ob Sie nun als Achtzigjähriger immer noch arbeiten wollen oder nicht – die Botschaft ist klar: Wenn wir unseren Körper nicht mehr fordern, stellt er langsam aber sicher den Betrieb ein. Verhalten Sie sich einfach in jeder Lebenslage so, als wären Sie in der Blüte Ihres Lebens. Das ist einer der besten Wege, jung zu bleiben und besser, als sich dem Alter geschlagen zu geben.

Gewichtheben ist schwierig, aber auch jede andere Aktivität wird Ihnen gut tun, wenn Sie sie richtig angehen und sich vor Verletzungen durch Übertrainieren in Acht nehmen. Laut den besten Forschern auf diesem Gebiet gibt es bis zum Lebensende nichts, was Sie vom Lernen und Trainieren abhalten kann.

Es ist Zeit, Ihren 100. Geburtstag zu planen! Und vielleicht planen Sie ihn ja während Sie auf einem Wakeboard übers Wasser gleiten und dabei den Klängen einer japanischen Oper lauschen. Sie haben schließlich noch jede Menge Zeit zum Üben.

 

TEXT: Joel Snape, Sam O’Malley FOTO: Danny Bird MODEL Stephen Bracken@MOT Models

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