IN DER BOX MIT ART: Ist CrossFit nicht nur Zirkeltraining?

    "CrossFit ist doch Zirkeltraining!" ist eine Aussage, die man nicht allzu selten hört. Interessanter noch ist der Satz "Ich mach CrossFit. Ich mache immer so 2-3 Übungen direkt hintereinander." Stimmt das? Ist eine Trainingsroutine mit zwei oder mehr hintereinander geschalteten Übungen CrossFit? Ist "The Sport of Fitness" nichts Anderes als ein cooler vermarktetes Zirkeltraining?

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    Ist CrossFit Zirkeltraining?

    Um diese Frage beantworten zu können müssen wir zunächst klären, was denn genau unter CrossFit und Zirkeltraining verstanden wird.
    Zirkeltraining ist definiert als eine spezifische Form des Konditionstrainings in der mehrere Übungen in konkreter Reihenfolge hintereinander geschaltet werden und meist mit einer fixen Belastungsdauer absolviert werden. Die Dauer der Übungsausführung variiert dabei je nach Trainingsziel. Der grundlegende Übungspool des Zirkeltrainings bestand aus 24 Übungen. Er ist jedoch über die Jahre gewachsen. Grundsätzlich kann man vom Zirkel sprechen, wenn mehrere Übungen hintereinander für eine vorbestimmte Zeit ausgeführt werden.

    CrossFit definiert sich als “constantly varied, high intensity, functional movement” also als eine Trainingsform bei der ständig wechselnde Trainingsreize vorherrschen, bei der mit hoher Intensität trainiert wird und die ausschließlich funktionelle Bewegungen ausführt. Insbesondere im WoD, dem Workout of the Day, das meist den krönenden Abschluss des Trainingstages darstellt, werden im CrossFit nicht selten ähnliche Formen wie im Zirkeltraining genutzt. Bei AMRAPs sollen in vorgegebener Zeit so viele Runden oder Wiederholungen wie möglich absolviert werden. EMOMs schreiben vor eine bestimmte Übung immer zu Beginn der nächsten Minute zu absolvieren und begrenzen die Rundenzahl durch die Zeitvorgabe. WODs die “For Time” geschrieben sind dienen dazu eine vorgegebene Aufgabe, meist eine Abfolge mehrerer Übungen, so schnell wie möglich zu absolvieren. Insbesondere AMRAPS und For Time WODs steigern dabei die Intensität des Trainings durch den dank der vorgeschriebenen Zeit entstehenden Konkurrenzkampf.

     

    Zirkeltraining kann auch CrossFit sein…

    Grundsätzlich haben Zirkeltraining und CrossFit also einige Schnittpunkte. Je nach Trainer kann auch der klassische Zirkel wechselnde Trainingsreize, funktionelle Bewegungen und hohe Intensitäten mit sich bringen. Auch wenn die Realität meist anders aussieht kann man doch sagen, dass Zirkeltraining ein Teil des CrossFit sein kann.

    Wieso nur ein Teil?

    Weil zum CrossFit weit mehr gehört als nur das WOD. Es ist mehr als die Summe seiner Wiederholungen. Es ist Time under Tension, Trainingsreiz, Kraftaufbau, Mobilität, Periodisierung, Lifestyle, Community und vieles mehr.

    So ist auch das Koordinationstraining ein nicht zu unterschätzender Teil des CrossFit. Nicht umsonst werden auf den CrossFit Games auch Fähigkeiten wie Zielweitwurf, Hindernisparcours und die koordinativ höchst anspruchsvollen Übungen aus dem olympischen Gewichtheben getestet. Ein sehr wichtiger Pfeiler eines ausgewogenen CrossFit Plans sind so genannte Heavy Days, bei denen es darauf ankommt einen der Main Lifts – Bankdrücken, Kreuzheben, Schulterdrücken oder Kniebeugen – oder eine der olympischen Übungen aus dem Gewichtheben mit maximalem Gewicht und minimaler Wiederholungszahl zu absolvieren, um die Maximalkraft aufzubauen und zu testen. Ebenso hat der Umgang mit unhandlichen Objekten wie Baumstämmen, Traktorreifen oder Ähnlichem einen festen Platz in dem Streben nach einer umfassenden Fitness, dem sich das CrossFit per Definition verschrieben hat.

    Um diese generelle Fitness zu erlangen kommt auch das CrossFit nicht um eine sinnvolle Grundlagenperiodisierung herum. Viele CrossFit Boxen unterteilen das Trainingsjahr in Kraftaufbau, Hypertrophie, Regeneration und Konditionsperioden. Die allgemeine Grundlage für eine gute Performance ist ein ausreichend hohes Kraftniveau und eine gute technische Ausführung, welche einen besonderen Stellenwert genießt.

    Am meisten unterscheidet sich CrossFit vom Zirkeltraining jedoch durch die dahinter stehende Community und den Lifestyle. Zunächst einmal ist die weltweite Gemeinschaft an CrossFit Sportlern eine Gruppe von Gleichgesinnten, in der man sich sofort heimisch fühlt. Auf eine leicht perverse Art birgt dieses hoch intensive Training einen Suchtfaktor, der vor allem durch die guten physischen Erfolge und das starke Zusammengehörigkeitsgefühl der Community entsteht. So wird innerhalb guter CrossFit Boxen Teamwork größer geschrieben als Konkurrenz untereinander und es entstehen oft Freundschaften weit über das gemeinsame Training hinaus. Dies resultiert auch darin, dass die Anhänger der CrossFit Philosophie nicht nur ihre Trainingsinhalte und -intensitäten ändern sondern oft ihren gesamten Lebensstil anpassen.  Sie beginnen sich mit ihrem Körper zu beschäftigen und sich um ihn zu kümmern. Sie ernähren sich gesund, arbeiten an ihren Schwächen, mobilisieren und dehnen sich und beginnen zunehmend Aktivität in ihren Alltag zu integrieren.

    …aber CrossFit ist nicht Zirkeltraining

    CrossFit ist wesentlich mehr als EMOMs, AMRAPs und das allseits bekannte WOD. Es besteht aus einem sinnvollen, abwechslungsreichen Trainingsprogramm, dass das Ziel hat alle zehn physischen Grundfertigkeiten ausgewogen zu trainieren und resultiert nicht selten in einem angepassten Lebensstil. Da durchaus Teile des Trainings im weitesten Sinne auch als Zirkel verstanden und ausgeführt werden können kommen wir unweigerlich zu dem Schluss:

    Zirkeltraining kann auch CrossFit sein, aber CrossFit ist nicht Zirkeltraining.

    Finish strong

    Euer Art


    Art Claas van der Heide (@heartcore_athletics) ist M. Sc., Personal Trainer und Ausbilder. Art betreibt seit 2011 den größten alleingeführten CrossFit Blog Deutschlands,  der seit 2013 unter seiner Marke HEARTCORE Athletics läuft. Zuvor gründete er den ersten deutschen CrossFit Military Affiliate, CrossFit Kokoro, an der Universität der Bundeswehr München, welchen er mehrere Jahre als Headcoach leitete.

    Art ist neben seiner Tätigkeit als Coach auch als Blackroll Mastertrainer, sowie als Ausbilder und internationaler Referent im funktionellen Training tätig.

    Er ist Autor von “Mobility für Desktop Warrior” und bietet neben Workshops auch online Education wie mit seiner Kettlebell Tutorial Series an.

    Mehr Informationen zu Art und seiner Arbeit findest du auf seiner Webseite www.heartcore-athletics.com