Kampf dem Krampf

Ein schmerzhafter Moment für jeden Athleten: Plötzlich beerdigt ein Krampf jede Aussicht auf den Sieg. Aber wie entstehen Krämpfe überhaupt? Und vor allem: Was kann man dagegen tun? Unser Experte, Top-Physiotherapeut Florian Friedrich, sagt wie du die schmerzhafte Leistungsbremse verhindern kannst. Manchmal hilft schon eine Banane.

Kampf dem Krampf
Wer kennt das nicht: Plötzlich durchzuckt ein stechender Schmerz die Wade. Der Muskel wird steinhart und verharrt Sekunden, unfähig, sich wieder zu entspannen. Es kann beim Schwimmen passieren, auf dem Tennisplatz oder beim Fußball. Der Wadenmuskel verhält sich dabei so, als würde der Sportler dauerhaft auf den Fußspitzen balancieren – selbst wenn dieser schon am Boden liegt. Aber was genau führt zu Muskelkrämpfen?
DIE URSACHEN
Prinzipiell kann sich jeder Muskel verkrampfen, am häufigsten sind jedoch Wadenkrämpfe. Aber auch Krämpfe im Oberschenkel oder in den Zehen sind keine Seltenheit. Der Grund dafür ist eine Störung des Muskelstoffwechsels. Als auslösende Faktoren für diese Störung
werden häufig allgemeine Ermüdung, ein schlechter Trainingszustand und Überanstrengung ausgemacht. Bei einer Überlastung kann es beispielsweise zu Störungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Beckens kommen. Dann entsteht eine Irritation in den Nerven,
die auf die Muskeln in den unteren Extremitäten übertragen wird und letztlich
zum Krampf führt. Aber auch Durchblutungsstörungen durch zu eng anliegende
Kleidung beim Sport können den Muskelstoffwechsel unterbrechen und ein Verkrampfen provozieren.
DER KRAMPF
Ein kurzer Exkurs in die Muskelphysiologie: Der Mensch hat etwa 650 sogenannte Skelettmuskeln. Jeder Skelettmuskel wiederum besteht aus Muskelfasern, die ihrerseits aus Muskelfibrillen aufgebaut sind. Die kleinste funktionelle Einheit dieser Muskelfibrillen heißt Sarkomer.
Und ohne Sarkomer keine Muskelkontraktion. Das Sarkomer besteht nämlich
größtenteils aus den sogenannten kontraktilen Eiweißen Aktin und Myosin. Die
beiden Proteine haben einen wichtigen Job im Körper: die Muskelkontraktion.
Damit wir laufen, springen und klettern können, spielt sich in der Muskulatur
ein komplexer biochemischer Prozess ab: Vereinfacht gesagt dockt Myosin an
das Protein Aktin an und knickt anschließend ab. Durch diese Knickbewegung
spannt der Muskel an. Hierfür benötigen die beiden Muskelproteine aber Mineralien – unter anderem Kalium, Calzium und Magnesium. Fehlt einer dieser Bestandteile ist ein normales Arbeiten der Muskulatur nicht möglich. Bei einem Krampf lösen sich Aktin und Myosin nicht mehr voneinander und der Muskel verbleibt in seiner kontrahierten Position. Klingt schmerzhaft – ist es auch.
DIE ERSTVERSORGUNG
Im Akutfall hilft am besten die traditionelle Dehnung. Gerade beim Fussball ist
häufig zu beobachten, dass Mannschaftskollegen dem auf dem Rücken liegenden
und von Krämpfen geplagten Mitspieler helfen und versuchen die Fußspitze in
Richtung Knie zu drücken. Was viele aber nicht wissen: Das ist ein Fehler. Und
oft liegt der betroffene Spieler keine drei Minuten später wieder mit Krämpfen
am Boden. Warum? Von der Vielzahl der Muskeln in der Wade zählen der Musculus gastrocnemius und der Musculus soleus zu den wichtigsten. Die beschriebene Position dehnt aber nur einen der beiden – den M. gastrocnemius. Da der krampfende Muskel meist aber der M.soleus ist, muss der Sportler sich auf den Bauch legen und das Knie 90 Grad anwinkeln. Dann können die heraneilenden Mitspieler die Zehen sanft nach untendrücken und der Krampf löst sich. Wichtig: Die Dehnung sollte etwa 20 Sekunden gehalten und 3-4 mal wiederholt werden.
Nach der Dehnung sollte man die betroffene Region mit einem in Eiswasser getränkten Schwamm abreiben. Das kalte Wasser führt zu einer Gefäßverengung, kurz danach öffnet sich das Gefäß wieder und zwar größer als vorher, dadurch wird mehr Blut an den Muskel gebracht.
KRÄMPFE VERMEIDEN
Damit man erst gar keine Krämpfe bekommt, gilt vor allem: Trinken, trinken,
trinken und den Elektrolythaushalt ausgeglichen halten. Am besten helfen dabei isotonische Getränke. Isotonisch bedeutet, die Getränke besitzen die gleiche Teilchenzusammensetzung wie das menschliche Blut und können aus diesem Grund optimal vom Körper aufgenommen werden. Auch frisches Obst mit hohem Kaliumanteil wie etwa Bananen können präventiv eingesetzt werden. Bei regelmäßig auftretenden Krämpfen kann oft nur eine medikamentöse Behandlung helfen. Der Arzt verschreibt dann membranpotential stabilisierende Medikamente, die die Empfindlichkeit der Muskeln herabsetzen, damit sie nicht mehr so einfach kontrahieren.

Eine Auswahl mit Angeboten zum Thema

isotonische Getränke findest Du bei Bodylab24.