Ernährungstipps-B1

Posted On 02/09/2011 By In Uncategorized With 700 Views

Nahrungsmittel-Fiktion


Sie denken, dass Sie wissen, welche Nahrungsmittel gut für Sie sind? Dann seien Sie auf Überraschungen gefasst. MF trennt die Fakten von den Mythen.

1. MYTHOS: FÜNF PORTIONEN OBST UND GEMÜSE TÄGLICH

Wenn es Ihnen immer noch schwerfällt, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, dann gibt es schlechte Nachrichten: Die meisten Experten sind sich darin einig, dass Sie mehr als das verzehren sollten. Die ‘Fünf-am-Tag’-Angabe stammt von den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, basierend auf Forschungen, die zeigten, dass bei den Menschen, die diese Anzahl zu sich nahmen, weniger Krebs- und Herzerkrankungen auftraten – aber es ist durchaus möglich, dass die “fünf” gewählt wurde, weil es sich um eine schöne, runde Zahl handelt. In den USA, wo der “Fünf-am-Tag’-Slogan schon seit 1988 existiert, empfiehlt das National Cancer Institute als ideales Minimum mittlerweile fünf Portionen für Kinder, sieben für Frauen und neun für Männer. „In den Vereinigten Staaten essen die Menschen durchschnittlich 4,6 bis 4,7 Portionen pro Tag“, sagt Dr. Lorelei di Sogra, der Leiter der Kampagne des Instituts. In Australien empfiehlt die Regierung sieben Portionen am Tag und in Kanada und Frankreich sind es zehn.

Professor Sir Charles George, der ehemalige medizinische Direktor der British Heart Foundation, hat zugegeben, dass es „einige Auseinandersetzungen darüber gibt, wieviel Sie benötigen… Fünf könnte eine beliebige Zahl darstellen.“Und selbst die Größe der Portionen kann von Land zu Land stark voneinander abweichen.

In Deutschland gilt ein Esslöffel getrockneter Früchte als eine Portion, aber in den USA erwartet man, dass Sie etwa eine halbe Tasse verzehren. Was ist also die gute Nachricht? Nun, Sie können eine Ihrer Portionen über Fruchtsaft erhalten (aber nur eine, egal, wieviel Sie trinken, wegen seines niedrigen Fasergehalts), und gefrorenes, gekühltes und konserviertes Obst und Gemüse werden zur Gesamtmenge hinzugerechnet, obwohl Sie vorsichtig vor zugesetzten Inhaltsstoffen wie Zucker und Schwefeldioxid sein sollten. Stellen Sie sicher, dass Sie eine Vielfalt zu sich nehmen und entscheiden Sie sich zu Gunsten von mehr Gemüse als Früchten, da Früchte reich an Zucker sind. Und nicht vergessen – Kartoffeln zählen immer noch nicht dazu.

2. MYTHOS: ROTWEIN IST GUT FÜR IHRE GESUNDHEIT

Alle sind sich darin einig, dass ein Glas Rotwein am Abend gut für Sie ist, oder nicht? „Es ist schön, dies zu denken“, sagt Dr. Ben Goldacre, der Gründer von badscience.net, „aber die Dinge sind ein wenig komplizierter als das.“ „Jedes Mal, wenn Sie lesen, dass ‚moderater Alkholkonsum‘ mit einigen verbesserten Gesundheitszuständen in Verbindung gebracht wird – zum Beispiel weniger Herzerkrankungen oder Übergewicht – sehen Sie einen Journalisten, der eine Studie, die große Störvariablen enthält, überinterpretiert“, sagt Goldacre. „Seien wir einmal ehrlich: Abstinenzler sind unnormal – sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit einen Grund, warum sie nicht trinken. Und es besteht ein ernsthaftes Risiko, dass dieser Grund andere Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben könnte und dadurch die Beziehung zwischen ihren Trinkgewohnheiten und ihrem Gesundheitszustand durcheinanderbringt.

Vielleicht frönen die Leute, die auf den Genuss von Alkohol verzichten, eher dem Verzehr von Schokolade und Chips. Oder vielleicht zwingt sie eine bestehende Erkrankung dazu, dem Alkohol entsagen, und das verzerrt die Zahlen und lässt Abstinenzler ungesünder als moderate Trinker aussehen.“ Einige Studien über die Vorzüge von Rotwein fanden zum Beispiel in Frankreich statt, in denen die Theorie aufgestellt wurde, dass er trotz einer fettreichen Diät das Auftreten von Herzerkrankungen verringern würde – während Faktoren wie Portionsgrößen oder Bewegung ignoriert wurden.

Wenn Sie nicht auf Alkohol verzichten wollen, gibt es einige Daten, die darauf hindeuten, dass Rotwein größere Vorteile als Weißwein oder andere Arten von Alkohol bieten könnte, möglicherweise weil die Haut und die Samen der Trauben, die den Wein rot machen, reich an Antioxidantien sind – aber dies ist keineswegs schlüssig. Sie müssen dem Alkohol nicht entsagen, wenn Sie ihn mögen, aber machen Sie sich nicht vor, dass er Ihnen viel Gutes tut.

3. MYTHOS: VITAMINPRÄPARATE SIND SCHLECHT

Es mag ein Funken Wahrheit darin liegen – aber es ist definitiv komplizierter, als es scheint. In letzter Zeit ist es populär geworden, zu behaupten, dass Vitamin-Ergänzungen die Wirkung des Verzehrs von guter, gesunder Nahrung nicht ersetzen können. Als zum Beispiel Forscher an der Cornell Universität in New York die Effekte von Äpfeln und Vitamin C-Tabletten verglichen, stellten sie fest, dass die Flavanoide und Polyphenole in den Äpfeln positive Auswirkungen besaßen, die von den Präparaten nicht erreicht wurden. Einer der Verfasser der Studie, Professor Chong Yong Lee, sagte: „Einige der Chemikalien, die wir in den Äpfeln fanden, sind dafür bekannt, antiallergisch zu wirken, einige sind anti-karzinogen, entzündungshemmend und anti-viral.“

Darüber hinaus gibt es Befürchtungen, dass die übermäßige Einnahme von Präparaten, deren Effekte noch nicht vollständig verstanden werden, tatsächlich schädlich sein könnte. Im Oktober 2008 stoppte die US-Regierung eine groß angelegte Studie über Vitamin E- und Selen-Tabletten gegen Prostatakrebs, nachdem weder Beweise für einen Nutzen noch Hinweise auf Schäden zu erkennen waren. Und die meisten Ernährungswissenschaftler sind sich darin einig, dass es es Ihnen besser gehen würde, wenn Sie alle Nährstofffe, Vitamine und Mineralien, die Sie brauchen, über eine ausgewogene Diät zu sich nehmen würden. Aber hier wird es kompliziert: In manchen Fällen ist es fast unmöglich, alles, was Sie benötigen, über Ihre Ernährung zu erhalten.

Nehmen Sie ein Vitamin D-PräparatDr. Jonny Bowden, Autor des Buches „The 150 Healthiest Foods On Earth“ (um 18 €) nennt es „das wichtigste Ergänzungsmittel, das Sie möglicherweise nicht zu sich nehmen“. Es gibt keine von der Regierung genehmigte empfohlene Tagesdosis dafür, aber Bowden empfiehlt etwa 2.000 IUs (internationale Einheiten), was sehr viel mehr ist, als Sie plausiblerweise über die Nahrung beziehen können sowie dadurch, dass Sie in die Sonne gehen, wenn Sie in Nordeuropa leben. Die US-Regierung startet nun eine weitere Studie, gesponsert vom National Cancer Institute, die dieses Mal die Reaktion von 20.000 Menschen auf 2.000 Ius Vitamin D testet. Es wird vor fünf Jahren keine Ergebnisse geben, aber in der Zwischenzeit könnte die Einnahme von Vitaminen lohnenswerter sein, als Sie denken.

4. MYTHOS: ALLE FETTREICHEN NAHRUNGSMITTEL MACHEN SIE DICK

Die meisten Leute nehmen an, dass „fett essen“ gleich „fett werden“ bedeutet und glauben, dass das Weglassen von Fett das Wichtigste ist, wenn sie ihre Ernährung verbessern wollen. Dies ist nicht ganz wahr und könnte vielleicht sogar gefährlich sein. Dr. Walter Willett, ein Professor für Ernährung an der Harvard School of Public Health, behauptet, dass „die Vorstellung, dass alle Fette schlecht für Sie sind und die ausschließliche Konzentration auf die negativen Effekte von Fett zur Übergewichts-Epidemie beigetragen haben könnte“.

Laut Gary Taubes, Ernährungsexperte und Buchautor, bedeutet die Fokussierung auf fettarme Diäten, dass wir „mehr fettfreie Kohlenhydrate gegessen haben, welche uns im Gegenzug hungriger und dann schwerer gemacht haben. In der Praxis kommt eine fettarme Diät nicht umhin, reich an Kohlenhydraten zu sein, und das kann zu Übergewicht führen.“ Die Forschung über die Auswirkungen von gesättigten Fetten ist lückenhaft wegen der Komplikationen, die damit verbunden sind, großen Personengruppen Nahrung zu verabreichen, die schlecht für sie sein könnte. Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass Probleme nur dann auftreten, wenn Fette mit einer kohlenhydratreichen Diät kombiniert werden.

Aber so gut wie alle sind sich darin einig, dass Sie viele Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fetten essen sollten wie etwa Nüsse, Samen und Avocados. Sie sollten auch versuchen, Nahrungsmittel zu verzehren, die reich an Omega 3-Fettsäuren sind, zu welchen öliger Fisch und Eier gehören. Und wenn Sie immer noch Eiweiß-Omelettes essen, dann bedenken Sie, dass laut dem Leitfaden für gesunde Ernährung der Harvard Medical School keine Forschung je ergeben hat, dass die Menschen, die mehr Eier essen auch mehr Herzinfarkte haben als diejenigen, die wenig Eier essen. Also „hinein“ mit dem Eigelb!

TEXT: Joel Snape FOTOS: Mark Eilbeck

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