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Ralf Schumacher – Motorsport im Blut


Rennfahrer aus Leidenschaft

Der Mann hat Motorsport im Blut! Bereits als Dreijähriger saß Ralf Schuhmacher im Kart, um nach erfolgreichen Zwischenstationen in der Formel 3 und der japanischen Formel Nippon schließlich in der Königsklasse des Motorsports, der Formel 1, zu landen. Elf Jahre und 180 F1-Rennen später, wechselte er in die DTM, die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten, hat sich Ralf in dieser Saison die ersten Podiumsplätze erkämpft und schaut mit Optimismus in die Zukunft. MF traf Ralf Schuhmacher beim 8. DTM-Lauf in Oschersleben und fand einen erstaunlich gelassenen Top-Piloten vor, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt – bei negativen  Ereignissen, ebenso wie bei seinen Erfolgen. Was das heißt, lesen Sie hier.

Ralf, Du fährst gerade Deine beste DTMSaison. Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Saison?
Im Vergleich zu den letzten Jahren kann ich sicherlich zufrieden sein. Es sind allerdings auch noch Ergebnisse dabei, die mir nicht so gefallen. Aber im Großen und Ganzen sind wir auf dem richtigen Weg.

Du hast in Deiner Rennfahrer-Vita 180 Rennen in der Formel 1 zu verzeichnen und vorher bereits Erfolge wie den Gewinn der Formel Nippon-Meisterschaft gefeiert. Der Start in Deine DTM-Karriere verlief eher schleppend. Was motiviert Dich nicht aufzugeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt, auf das Podium zu fahren?
Die Motivation ist im Grunde immer die gleiche: Gut zu sein, das Beste aus sich herauszuholen, und letztendlich auch das ein oder andere Rennen zu gewinnen. Auch wenn es am Anfang nicht so gut gelaufen ist, hat das an meiner Motivation nichts geändert. Ich glaube auch, dass letztendlich jeder Fahrer so denkt. Außerdem arbeite ich in einem tollen Team bei Mercedes und bekomme jede notwendige Unterstützung. Somit ist das alles kein Thema für mich.

Kommen wir zu Deinem Training. Musstest Du Dich umstellen, als Du in die DTM gewechselt bist? Worin liegen die Unterschiede in der Vorbereitung, im Vergleich zu Deinen Zeiten in der Formel 1?
Aufgrund der höheren Fliehkräfte, werden in der Formel-1 die Nackenmuskeln natürlich stärker beansprucht und dementsprechend  trainiert. Für mich als Fahrer in der DTM ist die Grundstärke wichtiger, um der Belastung in den Sitzen entgegenzuwirken. Das gilt auch als Präventivmaßnahme für die Bandscheiben. Um den Job auszuüben, müssen wir nicht unbedingt den Fitnesslevel eines  Hochleistungssportlers wie beispielsweise eines Triathleten haben. Im Auto kommt man nicht permanent an diese Grenzen heran.

Wie verteilt sich Dein Training in den Bereichen Kraft und Cardio?
Zu Formel-1-Zeiten habe ich relativ viel Kraftsport betrieben, was im Nachhinein nicht unbedingt immer hilfreich war. Mittlerweile  bestehen circa zwei Drittel meines Trainings aus Bewegungs- und Rumpfgymnastik zur Stabilisation des gesamten Körpers. Das Krafttraining bezieht sich in erster Linie auf Ausdauer. Aber natürlich werden Nacken, Arm-, Oberkörperund Brustbereich nicht  vernachlässigt.

Wie viel Zeit nimmst Du Dir dafür?
Während der Saison trainiere ich vier Mal in der Woche jeweils ca. zweieinhalb Stunden. In der Off-Season lege ich einen Tag Pause in der Woche ein.

Fällt es Dir schwer, Dein Gewicht zu halten? Du lebst in Österreich und schmackhafte „Schmankerl“ warten vor Deiner Haustür.
(Lacht) Da habe ich Glück, ich stehe nicht gerade auf Schweinebraten und Konsorten. Ich ernähre mich eigentlich schon von Haus aus sehr gesund. Ich esse gerne Fleisch, Fisch, Pasta und Salate. Da gibt es also keine allzu großen Probleme.

15 Jahre Motorsport auf höchstem Niveau –wo zwickt’s heute?
Ich habe den Vorteil, dass ich im Gegensatz zu Fußballern oder Tennisspielern relativ entspannt im Auto sitzen kann. Ich meine, bei mir werden keine Gelenke oder Bänder extrem und auf lange Zeit beansprucht, was Folgeschäden auf sich ziehen kann. Aber klar, in manchen Bereichen merke ich, dass man etwas mehr als früher machen muss, um den gewünschten Fitnesslevel zu halten.

Auf welche Übungen könntest Du dabei am ehesten verzichten?
Um ehrlich zu sein, sind Kniebeugen mit Schulter-Gewichten nicht so mein Ding. Dehnungsübungen zählen ebenfalls nicht zu meinen
Favoriten. Da bin ich schon mal etwas faul, ab und an.

Gibt es ein spezifisches Training für den Automobilsport?
Außer besagtem Nackentraining eher nicht. Früher, zu Formel-1- Zeiten, hatten wir den Vorteil, dass der Körper aufgrund der vielen und regelmäßigen Testfahrten konstant beansprucht wurde und dies als Training ausreichend war. Die beanspruchte Muskulatur wurde dadurch automatisch verbessert. Es gab auch mal Versuche mit Sitz- Simulationen und Gewichten am Lenkrad. Das war jedoch nichts für mich.

Sind Dir Siege oder eine konstante Saison wichtiger?
Der Wille zum Sieg ist sicher immer da, keine Frage. Insbesondere nach den bisherigen Ergebnissen. Das Interessante an der DTM ist, mit der gleichen Basis, also dem gleichen Material, wie meine drei Teamkollegen ins Rennen zu gehen und einfach das Beste daraus zu machen. Die Chancen sind gegeben, man muss sie nur nutzen.

Dein erster Sieg in der Formel 1 gelang Dir 2001 in Imola, Italien. Welche Erinnerungen hast Du daran?
Wenn ich ehrlich bin, gar keine.

Stolze Aussage!
Wirklich, das war für mich nicht so berauschend. Zu diesem Zeitpunkt saß ich bereits einige Jahre im „Formel-1-Zug“, und der Moment, den Sieg zu genießen, war relativ kurz. Das nächste Rennen stand an und die Erwartungshaltung wurde größer. Das lief eher unter dem Motto „Passiert und das Nächste“.