Schreib Dich Frei – Für Motivation und Erfolg

Von wegen Life Coaching und Berater- wer mit sich selbst ab und zu brainstormt und Bilanz zieht baut Stress ab und schafft mehr!

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2035

Wir wollen hier nicht den Moralapostel spielen, aber Hand aufs Herz: Wie viele Deiner Vorsätze hältst Du durch? „Das Unterbewusstsein spielt uns oft einen Streich“, meint Brian
Grasso. Der kanadische Life Coach ist Erfinder eines Programms für nachhaltige
und erfolgreiche Veränderungen im Alltag. „Immer wieder kommen uns Erwartungen und Überzeugungen in die Quere, die wir im Laufe des Lebens aufgebaut haben.” Wir spinnen
unser eigenes Seemannsgarn, wenn es ums Abnehmen, den Muskelaufbau und die Zufriedenheit geht. Die Frage ist nur: Glaubst du alle Storys, die dir dein Unterbewusstsein auftischt? Schreib doch einfach eine neue Geschichte, in der du an dich selbst glaubst und deine Ziele erreichst.

GEDANKENSTROM
Und so funktioniert’s: Nimm dir ein paar Minuten lang Zeit, um deine Gedanken niederzuschreiben.
Fange mit der folgenden Frage an: Was will ich dieses Mal anders
machen, um mein Ziel zu erreichen?
„Versuch aber nicht, zwanghaft optimistisch zu sein“, sagt Grasso. „Schreib einfach auf, was dir in den Sinn kommt. Lass dein Unterbewusstsein sprechen.“ Du kannst dich auf eine Menge negativer Gefühle gefasst machen. „Aus dir werden Sätze heraussprudeln wie ‚Das schaffe ich nie‘, ‚Ich bin nicht gut genug‘ oder ‚Dazu fehlt mir die Willenskraft‘“, warnt Grasso. Schreibe alles auf. Es
ist wichtig, dass du dir die Gedanken bewusst machst, die dich in deiner Entwicklung ausbremsen. Wenn du immer wieder die Einstellungen notierst, die dir gerade durch den Kopf gehen, erkennst du irgendwann ein Muster. So wird es möglich, störende Gedanken unter Kontrolle zu bringen. Du förderst die Ursachen für deine Unzufriedenheit zu Tage und kannst daran arbeiten. Benutze dein Tagebuch so oft du kannst. Das heißt im Idealfall:
mehrmals pro Woche jeweils fünf bis 20 Minuten Brainstorming. Stelle dich darauf ein, dass du dich zu Beginn erst einmal schlechter fühlen wirst. Aber man muss sich negativen Gedanken stellen, um
sie ändern zu können. Bleib also am Ball. In den „Annals of Behavioral Medicine“ wurde eine einschlägige Studie veröffentlicht: Die Testpersonen sollten ein Tagebuch führen,
um sich Traumata und Stressfaktoren bewusst zu machen. Als sie ihre Gedanken geordnet hatten, wurde ihnen klar, was sie bei ihrer Entwicklung behinderte, und sie konnten die emotionalen Blockaden lösen. Ein Paper aus „Advances in Psychiatric Treatment“ deutet darauf hin, dass von einem Tagebuch auch die körperliche Gesundheit profitiert. Zu den positiven Effekten zählten ein niedrigerer Blutdruck, ein gestärktes Immunsystem und sogar bessere Leistungen im Sport.

EIN NEUER LEBENSENTWURF
Richard Wasson aus Londonderry in Nordirland leitet eine Expeditionsyacht und ist einer von Grassos
Kunden. Seit Jahren leidet er an Lebensmittelunverträglichkeiten. Deswegen hat er sich in die Hände eines Beraters begeben, um eine für ihn verträglichen Ernährungsplan zu erstellen. „Ich hatte
mein Fahrstuhlgewicht satt. Ich wollte herausfinden, warum ich nicht dazu in der Lage war,
ein Programm durchzuziehen — obwohl ich doch wusste, dass es gut für mich war“, erklärt er. „Wie sich herausstellte, lag alles an meiner Einstellung, der am meisten unterschätzte Aspekt im Bereich Gesundheit und Fitness.“ Seine Einträge begannen mit Sätzen wie: „Es ist wirklich bescheuert,
dass ich das jetzt esse. Ich hasse mich dafür.“ Weiter berichtet er: „Wenn ich einen schlechten Tag hinter mir hatte, schrieb ich am Abend auf, was genau so unbefriedigend war.“
Es stellte sich heraus, dass Wasson besonders anfällig für ungesunde Lebensmittel war, wenn
er gerade seinen Vater besucht hatte. Die unangenehmen Gespräche zwischen den beiden
führten dazu, dass er übermäßig viel Essen im Imbiss bestellte und sich anschließend noch
schlechter fühlte. „Mit den Snacks von der Imbissbude wollte ich mich über meine negativen
Emotionen hinwegtrösten. Ich las mir meine Einträge durch und stellte mir die Frage:
‚Warum hasse ich mich dafür, dass ich das Falsche esse?‘ Langsam begann ich zu erkennen,
dass das alles nur ein großes Ablenkungsmanöver war! Eine riesige Lügengeschichte.“
Diese Erkenntnis war befreiend. Und er hat dafür nur drei Wochen gebraucht. Wasson hörte auf, sich selbst Vorwürfe zu machen. Er erkannte, dass er nicht wirklich Lust auf ungesundes Essen hatte. Es
war nur ein Ersatz für seine wahren Bedürfnisse: ein besseres Verhältnis zu seinem Vater.
„Danach haben wir uns unterhalten, und die Situation hat sich gebessert.“

REALITÄTSTEST
Wassons eigentliches Ziel bestand gar nicht darin, schlanker zu werden. Trotzdem nahm
er am Ende zehn Kilo ab. „Meine Haut sieht jetzt besser aus und habe mehr Energie“, wie er uns erzählt. Dafür waren weder ein eiserner Wille noch ein disziplinierter Stufenplan notwendig. „An Disziplin habe ich dabei nicht mal gedacht“, erläutert er. „Ich habe ganz automatisch das getan, was sich richtig angefühlt hat.“ Das hört sich nach einer bleibenden Veränderung
an.