Training mit Schmerzen: Entzündungshemmer – ja oder nein?

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F: Ich habe seit Wochen leichte Schmerzen in der Schulter, möchte aber weiter trainieren. Deshalb nehme ich vor dem Training ein frei verkäufliches, entzündungshemmendes Medikament ein, das die Schmerzen lindert. Meine Frau rät mir allerdings davon ab. Was soll ich tun?

 

Frank aus Saarbrücken

 

A: Entzündungen sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits braucht der Körper sie tatsächlich, um Gewebe zu reparieren und sich nach einer Trainingseinheit zu erholen. Andererseits können sie aber auch zu Gewebedegeneration, Krankheiten und nicht zuletzt zu unangenehmen Schmerzen führen, die wir alle früher oder später einmal erleben, egal ob wir nur stürzen und uns das Knie aufschlagen oder an Arthrose leiden.

 

Eine Entzündung ist die Reaktion des Immunsystems auf eine Schädigung unseres Körpers (z. B. das Zerstören von Muskelfasern während dem Fitness-Training) und alles, was es als „Attacke“ von außen wahrnimmt. Wenn du krank oder verletzt bist, steuert dein Körper idealerweise mit einer schnellen und starken Entzündungsreaktion gegen, um eine effektive Heilung zu gewährleisten oder Infektionen zu bekämpfen. Normalerweise ist eine solche Reaktion sehr kurz und heftig und klingt wieder ab, sobald der Körper repariert oder geheilt ist. Sagen wir, du verknickst dir den Fuß. Dein Körper wird darauf mit einer Reihe von Symptomen reagieren, darunter Schmerz, Hitze und Schwellung. Dadurch verhindert er, dass du weiterhin auf dem angeschlagenen Fuß läufst und vermeidet so weiteren Schaden. Der Fuß kann ruhen und sich erholen. Wenn du eine Erkältung oder Grippe bekommst, dann reagiert dein Immunsystem schnell, indem es verschiedene Wirkstoffe produziert, die deine Körpertemperatur kurzzeitig erhöhen und dich, vereinfacht gesagt, krank fühlen lassen, so dass du dich ausreichend schonst und in Ruhe gesund werden kannst.

 

Kurzfristig sind Entzündungen also gut. Auf Dauer sind sie aber schlecht. Eine chronische Entzündung ist eine Immunreaktion, die über längere Zeit andauert. Zu hohe Entzündungswerte werden unter anderem für Depressionen, Krebs, Herzkrankheiten, Diabetes, Arthritis und neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinsons verantwortlich gemacht. Entzündungen erhöhen außerdem die Schmerzempfindlichkeit, vergrößern den Schaden, den freie Radikale anrichten und unterdrücken nützliche Immunfunktionen, so dass du anfälliger für Krankheiten bist. Auch der Alterungsprozess wird von chronischen Entzündungen dramatisch beschleunigt. 

 

Um nun auf deine Frage zu kommen: Nach dem Training ist eine starke, akute Entzündungsreaktion hilfreich, um Gewebereparaturen und Muskelwachstum zu unterstützen. Eine längere Entzündungsreaktion ist dagegen kontraproduktiv für Muskel- und Kraftaufbau und das allgemeine Verbessern deiner Gesundheit. Eine solche chronische Entzündung kann durch eine Reihe von Faktoren verursacht werden, am häufigsten geschieht dies wohl aber durch das sogenannte Übertraining.

 

Sicher kennst du das Sprichwort „Weniger ist mehr“? Nun, im Zusammenhang mit Training und Muskelaufbau stimmt dieser Spruch tatsächlich. Dorian Yates, Bodybuilding-Legende und sechsfacher Mr. Olympia, hat nur viermal pro Woche für je 45 bis 60 Minuten trainiert – dafür mit maximaler Intensität. Er nannte dieses Prinzip „Heavy Duty“ und es ermöglichte seinem Körper, sich optimal von den Strapazen des Trainings zu erholen. Denn deine Muskulatur wächst nicht im Training, sondern in den Ruhephasen danach. Stell dir vor, du reibst Sandpapier über deine Hand. Dein Körper wird die Wunde reparieren und die Haut an der entsprechenden Stelle verstärken. Jedoch nur, wenn du ihm die Zeit dafür gibst und nicht am nächsten Tag schon wieder mit Sandpapier darüber reibst. Genauso verhält es sich auch mit deiner Muskulatur.

 

Manche Menschen neigen, genetisch bedingt, verstärkt zu Entzündungen. Zu wissen, welche genetischen Voraussetzungen du besitzt und wie du Entzündungen leichter in den Griff bekommst (durch variieren von Dauer und Häufigkeit des Trainings sowie eine bestimmte Ernährungsweise), kann nicht nur deinen Trainingserfolg, sondern deine Gesundheit insgesamt massiv verbessern. Doch was können wir noch gegen Entzündungen tun?

 

Was können wir gegen Entzündungen tun?

Die konventionelle Medizin hat bislang leider absolut keine Lösung für chronische Entzündungen anzubieten. Es gibt zwar eine Vielzahl sogenannter nichtsteroidaler Entzündungshemmer (NSAID), wie du sie verwendest. Deren dauerhafte Einnahme ist jedoch nicht ratsam, denn die Nebenwirkungen sind dramatisch und können bis hin zum Tod reichen. Dennoch steigt der Konsum dieser Mittel leider von Jahr zu Jahr an. Um besser zu verstehen, wie diese Medikamente wirken, will ich kurz erklären, welchen Einfluss sie auf uns und unsere Gene haben.

 

Jeder Mensch besitzt ein Gen namens Cyclooxygenase (COX), das eine Reihe wichtiger Funktionen besitzt. COX-1 ist für den Schutz der Magenwand zuständig und COX-2 für Schmerzregulierung und Entzündungsreaktionen. Entzündungshemmer blockieren die Funktion von COX-2, um Entzündungsreaktionen zu stoppen und Schmerzen zu lindern. Allerdings blockieren sie gleichzeitig auch die Wirkung von COX-1, das, vereinfacht gesagt, dafür sorgt, dass wir nicht unseren eigenen Magen verdauen. Klingt nicht so gut, oder? Ist es auch nicht. Studien haben gezeigt, dass einer von tausend Menschen, die dauerhaft Entzündungshemmer wie Ibuprofen einnehmen, an den direkten Folgen der Einnahme stirbt. Unzählige weitere leiden an inneren Blutungen oder massiven Magenproblemen. Viele Menschen sind deshalb auf der Suche nach einer natürlichen und sicheren Alternative.

 

Kirschen und Kurkuma können Untersuchungen zufolge helfen, die Wirkung von COX-2 und die damit verbundenen Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Dabei haben sie keinen großen Einfluss auf COX-1 und sind deshalb wesentlich schonender und ungefährlicher für den Magen. Bei den Kirschen rührt der anti-entzündliche Effekt von dem pflanzlichen Wirkstoff Anthocyanin her; einem Phytonährstoff, der im Gegensatz zu Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen als nicht-essentiell klassifiziert ist, aber eine ganze Reihe positiver Wirkungen auf den Körper hat, weil er als Antioxidans fungiert und Entzündungen bekämpft. Bei Kurkuma übernimmt der Wirkstoff Kurkumin eine ganz ähnliche Aufgabe, besitzt nur leider eine sehr geringe Bioverfügbarkeit, wird nach dem Verzehr also schnell wieder vom Körper ausgeschieden. Um dies zu verhindern, kannst du Kurkuma mit einer Prise Pfeffer einnehmen. Dadurch gelingt das Kurkumin schneller in den Blutkreislauf und somit in den gesamten Körper.

 

Fazit: Du solltest dir eine Pause gönnen, um deine Schulter zu kurieren und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen, falls die Schmerzen nach einigen Tagen nicht verschwunden sind. Um Entzündungen auf natürlichem Weg zu bekämpfen, kannst du deinem Shake nach dem Training etwas Kirschsaft oder Kurkuma und Pfeffer beimischen. Das beschleunigt die Regeneration und tut schmerzenden Muskeln gut.

 


 

Unser Experte
James Brown
war Rugby-Profi in England und arbeitet seit Ende seiner aktiven Karriere im Gesundheits- und Fitness-Sektor. Mit Abschlüssen in Sport- und Ernährungswissenschaften begann James zunächst als Personal-Trainer und gründete 2005 schließlich sein eigenes Personal-Training-Unternehmen. Inzwischen betreut er als Kraft- und Konditionstrainer sowie Ernährungsberater eine Vielzahl von Top-Sportlern – von Rugby-Spielern bis hin zu Formel-1-Piloten.

 

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